Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Mischnah Pirke Aboth (Sprüche der Väter) 1890", auch gab er 1891 „Belegstelle» zu den Grundsätzen der jüdischen Sittenlehre" heraus. Vorgerücktes Alter und schwankender Gesundheitszustand nöthigten ihn am 26. März 1896 den Vorsitz im Ausschüsse des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" niederzulegen. Doch widmete er diesem Bunde auch fernerhin seine opfermutige Mitwirkung und wurde von ihm zum Ehren-Vorsitzenden erwählt. Leider gestattete der ungünstige Gesundheitszustand des so verdienstvollen Jubilars den zahlreichen Verehrern, die er sich auf allen Gebieten seiner mannigfachen Wirksamkeit in der Medizin, in der jüdischen wie in der allgemeinen Wohlthätigkeitspflege, wie auch auf kommunalen und vaterländischem Gebiete erworben hat nicht, ihm persönlich ihre Glückwünsche darzubringen. Doch hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes es sich nicht nehmen lassen, seinen hochverehrten Ehren-Vorsitzenden in einer Glückwunsch- Adresse für sein langjähriges hingebendes Wirken zu danken. Desgleichen hat die Berliner Medizinische Gesellschaft eine Adresse überreicht. Die großen Verdienste, die sich Samuel Kisteller um das Vaterland, namentlich während der Kriegszeiten erworben hat, fanden in der Überreichung des Roten Adlerordens III. Klasse ihre Anerkennung. Möchte doch der geschätzte Mann sich noch einmal in wiedergewonnener Gesundheit der Liebe seiner Angehörige» und der Verehrung weiter Kreise erfreuen. — Man schreibt uns: Im Verlage von Georg Heinrich Meyer in Berlin erscheint ein .Blatt, das sich (nach dem Grad seiner geistigen Qualität mit Recht) „Kleine Dorfzeitung" nennt. Ein Leser von nur irgendwelcher selbstständiger Denkfähigkeit, muß sich durch das darin dargebotene Spaltenfüllsel beleidigt fühlen. Wenn es sich auch nicht der Mühe verlohnt, über irgend einen Artikel daraus nur ein Wort zu verlieren, so muß doch im Interesse der Volksklassen, für die das Blatt anfangs bestimmt schien, gezeigt werden, welche Hüter des Deutschtums, des Volkswohls und der Aufklärung die Leiter dieses Blattes sind. Anstatt die Kreise, an die sie sich wenden, und worin so mannigfache falsche Vorurteile bestehen, von ihren verderblichen Jrrtümern befreien zu helfen, hetzen sie die Bevölkerung ohne jedes Bedürfnis gegen die Juden auf und ziehen die Gelegenheit dazu förmlich an den Haaren herbei. So kann es der „Eulenlochmann" nicht unterdrücken, in Nr. 12 der „Kleinen" das Benehmen des Deutschen Reichstags (fettgedruckt) durch den Vergleich zu charakterisieren: „daß es "einer Judenschule alle Ehre gemacht hätte". Ferner fühlt er sich gedrungen, einer Mitteilung von der Erkrankung mehrerer Personen infolge Vergiftung durch Blutapfelsinen, die ein jüdischer Händler rot gefärbt haben sollte, hinzuzufügen : „Daß der Stoff giftig war, machte ihm keinen Kopfschmerz. Für „unsere „Lait'" ist's Geschäft die Hauptsache." Selbst wenn das Blatt einen Witz aus dem jüdischen Leben erzählt, so wird er dem Leser nicht etwa aus ästhetischen Gründen dargebvten, wie z. B. die „Fliegenden Blätter" ihre Leser unterhalten, sondern aus offensichtlichen!, antisemitischem Tendenzzweck. So steht unter einem derartigen Witz