Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 geneigt sind dem von uns erhaltenen Antrieb zu folgen. Wenn je die Wesen, welche sich mit Vertrauen an uns anschmiegen, und uns zum Vorbild wählen, durch Vernachlässigung oder Unvorsichtigkeit von unsrer Seite auf Abwege geraten sollten, wir hätten wahrlich Ursache zu wünschen, nie das Licht gesehen zu haben. Väter und Mütter! Ihr habet eine große schwere Verantwortlichkeit für Eure Kinder auf Euch; ermesset sie nach ihrem ganzen Umfang, denn von der Art, wie Ihr Euch dieser Verantwortlichkeit entlediget, hängt es ab, ob der Name Gottes durch Euch geheiligt oder entweiht werden soll! Man kann hier keine allgemein gültige Vorschrift zur Richtschnur geben, auch findet man keine solche in der h. S. Schärfe Deinen Kindern die Worte Gottes ein. ist alles was sie darüber sagt. Auch wollen wir uns jetzt auf die Erörterung dieses Gebotes beschränken, welches im Grund doch unser ganzes Verhalten gegen die bestimmt, welche durch uns zur Gottesfurcht angehalten werden müssen. Das erste was uns in dieser Beziehung obliegt, ist nie leichtfertige Aeußerungen über Religion und was uns sonst heilig und ehrwürdig ist, zu machen. Wie manche haben schon dadurch den Grund zur Verderbnis in den Geist ihrer Kinder gelegt, daß sie Religion und Sittlichkeit in ihren Augen herabsetzten, indem sie sich erlaubten, das was sie für eine heilige Sache erklärten, zum Gegenstand des Witzes zu machen, und ihre satyrische Laune daran übten. Sehr häufig ist es mit solchen Spässen durchaus nicht ernst gemeint, und das Unschickliche wird selten tief gefühlt; aber zur Unterdrückung eines witzigen Einfalles gehört schon ein gewisser Grad von Selbstüberwindung den nicht jedermann besitzt und die Religion, wie sie die Menschen entstellt haben, ist in ihrem erhabenen Charakter von so vielem umhüllt, was sich als Erzeugnis des irrenden und ausschweifenden Menschengeistes beurkundet, daß sie leider der Spottsucht einige Nahrung darbietet und so nicht selten zum Belustigungsmittel mißbraucht wird. Das unmündige Kind, welches solche Reden hört und zugegen ist, wenn spöttelnde Anzüglichkeiten auf das ehrwürdigste beifällig belächelt werde», gewöhnt sich bald Religion mit Thorheit, Gottesdienst mit Werkheiligkeit und Glauben mit Aberglauben zu verwechseln. Ein heidnischer Dichter sagt irgendwo: Dem Kinde ist nian die höchste Achtung schuldig und es liegt in diesen Worten ein tiefer Sinn, den jedermann, der auf Kinder, seine eignen oder fremde zu wirken berufen ist, beherzigen sollte. Daß hier nicht von einem äußeren Zeichen der Achtung, welche die Convenienz eingeführt hat, die Rede sein könne, versteht sich von selbst; wohl aber von jener Achtung, die sich dadurch äußert, daß man alles Unanständige und Anstößige mit der größten Sorgfalt vermeidet, daß man jede Silbe unterdrückt, durch welche der unschuldige Kindessinn aus seinem Gleichgewicht gehoben, daß man nie was heilig und ehrwürdig ist mit frevlendem Munde verspotte, kurz, daß man nie was wahr und gut ist, oder was damit in einiger Berührung steht durch Worte,