Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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171 wenn sie sich nicht sehr oft in der h. S. wiederholt fände. Freilich sind wenige unserer Werke der Art, daß man das Gepräge unserer göttlichen Abstammung unverkennbar daran wahrnähme. Bald wird Eigennutz, bald Eitelkeit, bald ein andrer unedler Trieb durchschimmern und die Reinheit der Beweggründe verdächtig . machen. Wo sich indessen diese Reinheit unzweideutig darstellt, wenn ein Abraham in der arabischen Wüste, nur von Gott beobachtet, die Pflichten der Menschenliebe stille und geräuschlos ausübt, wenn Moses mit unerschütterlicher Geduld und Sanftmut das halsstarrige und stets zur Empörung geneigte israelitische Volk durch die Wüste führte, ohne dafür sich und seine Kinder mit dem geringsten irdischen Vorteile zu bedenken, wenn später andere Propheten nach ihm erstanden, welche furchtlos und ohne Aussicht auf den geringsten Nutzen für sich den Königen und den Priestern harte Wahrheiten sagten und sich dabei der augenscheinlichsten Lebensgefahr aussetzten, so heißt dies in der Sprache der h. S. eine Heiligung des göttlichen Namens, oder mit andern Worten eine der ganzen Menschheit beigebrachte Erkenntnis von der hohen Kraft, welche innige Gottesfurcht den Frommen giebt und vom unschätzbaren Wert, den die Tugend durch sich selbst hat, ohne Rücksicht auf die zeitlichen Vorteile, welche sie dem Menschen gewähren mag. Wer diese Erkenntnis durch eine lebendige Anschauung in sich aufnimmt, muß selbst dadurch edler und besser werden, denn wenn auch die Tugend als bloßer Begriff die menschlichen Herzen unbewegt und unerwärmt lassen kann, so wirkt sie mit einem desto unwiderstehlichern Zauber auf alle Geister, wenn sie durch wahrhaft schöne Handlungen versinnlicht dargestellt wird, so daß selbst der wüsteste Schwelger gewiß am Ende seiner Lebensbahn nicht anstehn würde, wenn er wählen könnte, ob er wie ein Solon oder wie ein Krösus gelebt haben möchte. Wer aber den Menschen, welche im Rausche der Sinnlichkeit leben, das Geständnis abzwingt, es gebe doch etwas, das reizender und lieblicher sei, als die Freuden der Erde und dadurch von Tausenden, die am Abgrunde des Verderbens stehn, nur einen rettend zurückhält und ihn durch sein Beispiel für die Tugend gewinnt, der hat im wahren Sinne des Wortes das Reich Gottes auf Erden erweitert und dadurch seinen Namen geheiligt. Wer hingegen durch sein Leben die Menschen an dem Anblicke des Lasters gewöhnt und sie durch sein Beispiel dazu aufmuntert, wer zwar Liebe zum Guten zeigt aber keine Kraft ihm ein Opfer zu bringen, die Wahrheit schätzt, aber den Mut nicht hat sie gehörigen Ortes auszusprechen, den hohen Wert der Tugend anerkennt, aber zu schwach ist, um nach ihren Gesetzen zu leben, der stellt unwillkürlich das sittlich Gute als etwas dar, das der menschlichen Natur nicht zusagt, bietet der Schwäche Anderer einen Grnnd mehr zur Rechtfertigung dar und trägt auf diese Weise, zur Ausbreitung des Bösen bei. Von einem solchen sagt die h. S., er entweihe den Namen Gottes. Es giebt