Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Umstand, daß ein zum Thier gewordener Mensch das Recht für sich beansprucht und vor der Signorie die Ausgeburt seiner Rachegefühle selbst für heilige Berechtigung hält. Allerdings fließen bei Shakespeare, der die Vorgänge der Menschenseele von einein über dem Unterschiede von Schmerz und Lust erhabenen Gesichtspunkte betrachtet Tragisches und Komisches oft in einander über, das Größte erscheint dem Künstler, der mit den Schicksalen nur spielt, noch von einer gewissen Seite her lächerlich und das Kleinste bedeutend und beachtenswert. So beruht ja gerade die packendste Wirkung auf dem furchtbar,Tragikomischen wie im „König Lear" und so kann auch in die Komödie mitunter Plötzlich das Medusenhaupt des „gigantischen" Schicksals hereinlugen Und so ist es begreiflich, daß mitten in den» Lustspiel der Dichter mit intuitiver Kraft manchmal plötzlich den koinischen, von seinen Leidenschaften verzehrten Juden, in seiner wirklicheren Gestalt zu einem großen, tragischen im Leiden großen Juden, zu einem lebendige» Vorwurf der sonst so edel scheinenden vornehmen Welt erhebt. In dieser Gestalt hat ihn dann die tolerantere Auffassung späterer Zeiten sehe» wollen und damit aus dem Lustspiel eine nicht minder große Tragödie gemacht. Die „Keikigung des göttlichen Wawens". Rede, gehalten von I)r. Michael Creizenach weil. Religionslehrer an der Realschule der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. (Aus dessen Nachlasse.) / .. Worin eigentlich der Fehler bestand, den Moses und Aaron begangen und der ihnen eine so harte Strafe zugezogen, ist nicht deutlich angegeben und die Erklärer der Schrift werfen sich hierüber in das weite Gebiet der Mut» maßllngen. Für uns mag es hinreichend sein, daß wir wissen, daß Moses und Aaron bei dieser Gelegenheit den Namen des Herrn nicht geheiligt haben und eine schwere Züchtigung dafür erleiden mußten. Das Gebet Moses, welches so viel Mal schon die Israeliten vom Untergange gerettet hatte, blieb dies Mal unerhört und er hatte den Verdruß die Vollendung des großen Werkes, dem er sein Leben gewidmet, einem Andern überlassen zu müssen. Es kann uns gewiß nicht unwichtig sein, zu erfahren, was das eigentlich heiße, Gott heiligen und wie so ein schwaches hinfälliges Geschöpf, wie der Mensch ist, den Namen des Unendlichen heiligen oder entweihen könne. Diese Untersuchung möge der Gegenstand unserer heutigen Betrachtungen sein. An sich ist jede gute Handlung eine Heiligung des göttlichen Namens und jede schlechte That eine Entweihung desselben, welche letztere Benennung wir Anstand nehmen müßten zu gebrauchen