Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. «d»lf Brüll's Kopuiär-wissenschastlichr zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Zu beziehen durch alle Bllchhandlungen und Postanstalteu des In- und Auslandes. 26. Jahrgang. Frankfurt a. M>, den 1. Juli 1900. Kummer 8. Shakespeares „Shylock." (Schluß.) DaS Stück ist ein Lustspiel, und Shakespeares Lustspiele stehen dem ursprünglichen, explosiven Charakter des Komischen, fast Possenhafte» viel näher als etwa die französische Komödie. Erst den Franzosen ist das Lustspiel Satire, Shakespeare liebt keine versteckten Andeutungen, er hüllt seinen Weltschmerz nicht in lachende Mienen. Wo er in die Abgründe des Schicksals hinabsieht, entsteht die tiefgründigste Tragödie, nur wo er wirklich über des Lebens Wirrsal lacht, läßt er sein Publikum lachen. Hätte Shakespeare wirklich das Schicksal des Judentums darstellen wollen, dann hätte er sicherlich aus dem Shylock eine Tragödie gemacht. So aber gehört Shylock zu den der Auffassung jener Zeit nach komischen Figuren. Ist ja das Stück geradezu ein Exempel für die alte Auffassung des Komischen, das Aristoteles als das „unschädliche Böse" definiert. Hatte doch wahrscheinlich die Idee, Menschenfleisch zu verpfänden, etivas Groteskes, und mußte auf die roher gearteten Nerven der Zeitgenossen einen starken komischen Reiz ausüben, insbesondere der