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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-07-01 · Heft 7 (1.7.1900) · p. Seite 160

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 7 (1.7.1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 160 (sequence 18)
Language
German
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160 Selbst Ahasver hat sich das Haupt verhüllt, Mit einem einzigen Gedanken nur, Mit aller Zukunft war sein Geist erfüllt. Kein Lüftlein wehte, seinen Traum zu stören, Kaum athmete der Wald, und alles schien Auf ein geheimnisvolles Wort zu hören. Nur manchmal überflog ein schnelles Glüh'n Den Himmel gegen Ost, als wollt' er dort Zu neuen Morgenrosen anferblüh'n. In ähnlicher Weise hat auch der dänische Dichter Andersen die Sage bearbeit; Ahasver ist eigentlich einer der gefallenen Engel, der nur durch lange Entwicklung wieder zur Gottheit sich erheben kann. Rastlos stürzt er sich in alle Weltereignisse, in allem Neuen Verderben erhoffend. In seiner märchenhaft-lyrischer Art bringt ihn der Dichter wie eine elementare Gewalt mit Winden, mit Vögeln, mit dem Geiste der einzelnen Länder in poetische Verbindung. Ahasver erscheint überhaupt bei weltgeschichtlichen Ereignissen beterligt, wo man ihn am wenigsten vermuten würde, so führt er den Hunnenkönig Attila nach Europa, oder erzeigt deni König Heinrich den Weg nach Canossa, er befindet sich auf dem Schiffe des Columbus bei der Entdeckung Amerikas. Er ist überall dabei, wo das Christentum einen Schaden auch nur erleiden könnte. Unter anderen Epen möchte ich noch auf das von Giseke, das Mysterium von Edgar Quinet und, was die »euere Zeit betrifft, auf das Epos von Seligmann Heller Hinweisen sowie insbesondere und auf die große Nolle, die Ahasver in dem Hamerling'schen Epos: „Ahasver in Rom" spielt. In diesem prächtig-düsteren Gemälde der untergehenden antiken Welt bedeutet Ahasver das Düstere, der Geist des Unterganges. Er will mitsterben oder doch wenigstens rastlos das Alte dem Tode zuführen. Er ist der Geist der Weltgeschichte der stets das Böse will und stets das Gute schafft, oder wenigstens immer vernichten will und doch durch die Vernichtungen wieder Neues hervorbringt. Er erscheint mit Kain identificiert. Ich war der erste Mörder, war der erste Rebell, mit mir begann die Weltgeschichte. Ich schrieb ihr erstes Blatt mit blut'gem Griffel Ich war's, der in die Welt den Tod gebracht, Den unbekannten, ungeahnten Tod. Ich schlug für ihn ein Thor durchs Herz des Bruders Und weil ich in die Welt den Tod gebracht, Verschont er mich dafür zum Dank, zur Strafe.

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