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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-07-01 · Heft 7 (1.7.1900) · p. Seite 161

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 7 (1.7.1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 161 (sequence 19)
Language
German
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161 Laut tief ich ihn verzweifelnd, reuevoll, Und er erschien ein Scheusal, grüsend mir: Ich bat ihn mich hinwegzunehinen, doch Er höhnte mich: Dich will ich übrig lassen, Im Wandelbaren sei das Bleibende, Bei Sterblichen sei das Unsterbliche! Immer gleich, düster und gewaltig, ist er dem entartetsten Sohne einer entarteten Zeit grell gegenübergestellt, dem Kaiser Nero, der sein ödes Ich in wüstestem Wechsel von Taumel und Begierden vergessen will. In charakteristischer Weise ivird Ahasver eingeführt. Nero streift des Nachts mit allerlei Gesindel nach Abenteuern umher, da folgte ihnen düster wie das Schicksal durch die Straßen schleichend, auf allen ihren Wegen ein alter Mann, „mit einem Antlitz fahl und bleich wie eines modernde» Ägyptenkönigs" oder wie es auch heißt „mit einem Antlitz, drin es wetterleuchtet, wie Blitzschein spielt um graue Tempeltrümmer." Am Morgen fragt Nero den seltsamen Gesellen nach seinem Namen, „Ich bin der Mann der sterben will" „Und ich sieh! bin der Mann, der leben will", lacht Nero. In allen wichtigsten Momenten seines Lebens begegnet ihm die düstere Gestalt wie sein Verhängnis. Als Nero in höchstem Cäiaremvahnsinn auf das zu seinem Vergnügen brennende Rom hinabblickt „Wer ist's, der zwischen Erd' und Himmel mir Entgegentritt und meinen Worten Hohn spricht?" Da regt sich plötzlich zwischen Trümmern und Leichen eine Greisengestalt: „Der Abgrund spricht und ich — ich bin die Zunge des Abgrunds." Ahasver hat den ersten Brand geschleudert, auch er will die Vernichtung, ihm erscheint Nero als ein Held der Zerstörung, doch uni sein Heldenwerk zu krönen, soll er sich selbst hinabstürzen. Aber Nero ist ja der Mann, der selbst leben will» der „Übermensch", der alles andere vernichten will, um selbst zu lebe», der aber um selbst zu leben erst Alles vernichten muß. Das erkennt aber Ahasver als den größten Wahn „Dein eigne's Jnn're ist ein Trümmerwnst." Der eig'ne Wille, Sagst du, sei dein Ich? O bettelarmes Ich, das nichts besitzt Als se,n unbändig maßlos eig'nes Selbst? Dein Geist dein Herz, dein Sinn ist leergebrannt Bis auf das nackte Wollen, und das poltert Nur im Ruinenhaufen als Gespenst. Ahasver spricht im Namen der Menschheit den Fluch über ihn. Ja sein größter Fluch ist sein.eigenes ödes Leben, gegenüber dem das Nichts ein Rosengarten und der Tod ein Kuß der Wollust ist. Nero erscheint nur , groß, weil die Ver-

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