Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 158 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— ,158 — Wo hat ein Volk so Gräßliches erduldet Als Du, o Israel? Von Anbeginn Mit Gottesfurcht hast alles Du verschuldet. Die Erde, vom treulosen Gott betrogen, Mit ihm entzweiet hat sie treu Die armen Kindlein redlich groß gezogen. Ihr Kind, der Mensch, den freundlich sie ernährt, WaS drängt er sich dem stolzen Gotte nach, Der Bastard, dem der Weg zu ihm verwehrt? So von mir werfen will ich sein Gedächtnis, Ausreißen aus der Brust den Drang zu ihm, Das väterlich erbärmliche. Vermächtnis.' Aus Erde ist der Mensch und auf der Erde Und von der Erde lebt er, daß er einst Wie seine Mutter wieder Erde werde. Dreimal soll er auf seiner Wanderung das gleiche Schicksal erfahren, bis er die Liebe ohne Haß kennt- Dreimal wäre er bald in Verzweiflung der Mörder seiner Kinder geworden. Ergreifend ist die Schilderung von der Zerstörung Jerusalems und dem Brande des Tempels,- wie die Priester betend umhergehen unbekümmert des Rauches und der Flammen, die schon rings emporlodern. Hoch oben auf einer Zinne steht Ahasver mitten in den Flammen, neben ihm seine zwei Kinder, Rüben und Lea; da komint Leas Freund, ein junger, erfriger Christ, der sie retten will; rasend stößt Ahasver alle drei ins Feuer, ihm selbst kann es nichts anbaben. An den Abhängen des Libanon im Frieden der Natur kann er kurze Rast finden, die Kinder, wieder Rüben und Lea, spielen mit den Tieren des Waldes. Da treibt ihn wieder die Unrast fort, er hört, daß Kaiser JulianüS den Jude» wieder den Tempel bauen will. Der Dichter schildert ihn grausam, nur durch ein Menschenopfer kann die Zukunft Israels besiegelt werden, und seine eigenen Kinder fallen durch daS Los, da werden sie plötzlich durch einen deus ex machina gerettet und im Himmel geborgen. Einzelne Scenen des Epos sind von plastischer Schönheit und erinnern vielfach an Dante, so die Scene wo der Jude am Rande des Meeres düster hinstarrt und plötzlich der Tod aus den Wellen emportaucht und ihm nur ewiges Leben verkünden kann, oder wie er am Gipfel eines weltentrückten Berges gen Himinel blickt und alle verstorbenen Seelen vorüberschweben sieht, da saßt er den äußersten Willen zu sterben, aber bei all seiner Willettsqual bleibt immer noch ein Punkt seines Leibes, von dem das Leben ausgeht. Eines Tages hörte er in Italien einen Pilger von dem Auftreten eines