Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 156 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Neide: „Sie konnten sterben, aber ich Verworfner, ich kann nicht sterben." Tausendmal suchte er den Tod: Ich rannt' in die Flammen, ich fluchte dem Römer Von wolkengegürteten Klippen stürzt' ich ...... . Hinunter ins Meer, doch strudelnde Wellen Wälzten mich an'S Ufer — und des Seins, Flammenpfeile durchstachen mich wieder. Hinab sah ich in Ätnas grausen Schlund Und wüthete hinab in seinen Schlund — Da brüllt' ich mit dem Riesen zehn Monden lang Ein Angstgeheul und geißelte mit Seufzern Die Schwefelmündung — Ha! zehn Monden lang. Der Ätna gohr und spie in einem Lavastrom Mich wieder aus rc. Ha! nicht sterben können! nicht sterben können! Nicht ruhen können nach des Lebens Müh'n! Den Staubleib tragen! Mit seiner Totenfarbe Und seinem Siechthum und seinem Gräbergerhauch! Sehen müffen durch Jahrtausende Das gähnende Ungeheuer Einerlei Und die geile, hung'rige Zeit, Immer Kinder gebärend, immer Kinder verschlingend rc. Auch Goethe hat in seinen jtkNgen Jahren einen Ahasver begonnen, er wollte in dem Handwerker derbe Volkstümlichkeit verbunden mit beschränkten Philistertum darstellen. In „Wahrheit und Dichtung" erzählt er über seinen Plan, von dem Gedichte selbst sind nur einige Verse erhalten, in denen Ahasver selbst gar nicht vorkommt. Ahasver ist anfangs ein eifriger Freund Christi, wie er überhaupt als freundlicher, witziger Mann, der sich gern mit allen Leuten vor seiner Werkstatt unterhält, ä la Hans Sachs geschildert werden sollte. Doch kann er es nicht begreifen, daß Christus mit Müßiggängern umherziehe und noch dazu das Volk von der Arbeit ablenke, was immer gefährlich sei, da dadurch leicht Aufruhr und politische Gefahren entstehen könnten. Als nun Judas zu ihm kommt und berichtet, wie er, blos um den Herrn mit Gewalt zu einer That zu nötigen, die Priesterschaft aufgereizt, Jesus sich jedoch sofort ergeben habe, da ist Ahasver aufs äußerste gegen Judas erbittert, so daß diesem nichts andereübrig bleibt, als sich aufzuhängen. Jesus aber, ,ber vor seinem Hause unter der Last des Kreuzes zusammenbricht, schilt er, auf seine Freundschaft pochend, in harter Weise aus, daß ihm das alles nur durch eigene Schuld zustoße. Dieser antwortet