Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 153 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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153 Der Alte Elend: Du Kindlein, das das Gestern gebar! Ich lebe schon etliche tausend Jahr! Als Adam Gottes Gebote brach, Kam ich zur Welt unter seinen Dach u. s. w. In Spanien heißt er Juan oder Joao Espera en Dios; Juan, hoff' auf Gott! Als Christus auf dem Wege nach Golgatha an deni Hause des Juden angelangt, zu diesem sagte: „Juan ich leide viel", erhielt er zur Antwort: „Wand're fort; denn noch mehr leide ich, hier an der Ruderbank der Arbeit gefesselt." Von Zeit zu Zeit begegnet er einer freundlichen Frau, die ihn mit den Worten Lopera, en Dios tröstet. Auf spanischen Bildern trägt er ein brennendes Kreuz an der Stirn, welches sein stets nachwachsendes Gehirn beständig verzehrt, ohne es jedoch vernichten zu können. Die Ähnlichkeit mit dem Kainszeichen ist deutlich. In Italien, insbesondere Sizilien erscheint er unter dem Nanien Butadeo, in dem die Gelehrten sogar eine Ähnlichkeit mit Buddha erblickten. Gewisse Züge in der Ahasversage, wonach man den Wanderer an den zurückgelassenen Fußtapfen erkennt, erinnern allerdings an eine gleichartige indische Sage, wonach man den umherwandernden Buddha ebenfalls an seinen Fußspuren erkennen soll. In manchen italienischen Berichten erscheint er als Retter aus Gefahren, er bringt die Kinder eines Florentiners, die um die Weihnachtszeit im Gebirge von einem heftigen Schneesturm überrascht wurden, in Sicherheit; er hilft ihrem Vater einen reichen Schatz finden, der im Hause verborge» liegt, er heilt eine sterbenskranke Frau. In England erscheint er im 17. Jahrhundert unter dein Namen Michob Ader. Er giebt sich als Bedienten von dem Gerichtshause in Jerusalem aus. Er spricht alle Sprachen. Da er alle Ereignisse der Weltgeschichte selbst miterlebt hat. machen sich die Gelehrten von Oxford und Cambridge an ihn und befragen ihn um die Vergangenheit. Er erzählt unter anderem von Kaiser Nero, von Jesus und den Aposteln, von Muhammed, den er einen göttlichen Menschen nennt, und vom Sultan Saladin. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts sah man in London einen Juden in halborientalischem Kaftan, blondhaarig, barhaupt, der immer ein altes Buch in der Hand hielt, auf das er fest seine Augen gerichtet hatte, der zeitweilig verschwand und immer plötzlich wieder auftauchte. Da verbreitete sich das Gerücht, daß dies der ewige Jude sei. Auch nach dem Norden verbreitet sich die Sage, allerdings mehr durch die Lektüre deutscher Volksbücher als aus den Tiefen der eigenen Volksphantasie. Doch kannte man ihn in Dänemark, Schweden und Norwegen allgemein, ja selbst in die Sprache der Isländer wurde das deutsche Volksbuch übersetzt. In Ermeland ist die Bezeichnung „er rührt sich wie der ewige Jude" sprichwörtlich für einen Menschen, der nicht ruhig sitzen oder stehen kann, besonders für Kinder; und auch die czechische Sprache kennt den ve$ay zid.