Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-07-01 · Heft 7 (1.7.1900) · p. Seite 152

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 7 (1.7.1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 152 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969879-2969887--6044-2975369
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

152 Glied seines Körpers die geringste Bewegung; aber seine Augen rollten in seinen Höhlen, und man vernahm deutlich die Atemzüge seiner Brust." In Frankreich ist die Sage fast so populär wie in Deutschland. In der Champagne begegnet Ahasver zwei Edelleuten, eine Situation, die in einem bretanischen Bolksliede wiedergegeben ist. Es erscheint ein Volksbuch „distoire admirable du juif errant1in welchem auch die Begegnung mit Paul von Eyzen in einigen Variationen von dem deutschen Bericht erzählt wird. Auch ein Volkslied handelt darüber. Ein anderes Volkslied schildert sein Zusammentreffen mit dein bondomm« Misere, dem Herrn Elend, einer in Frankreich beliebten poetisch-symbolischen Figur. .Das Gedicht ist von Moriz Hartmann ins Deutsche übersetzt. Der Anfang lautet: Höret an, Gesellen, höret an De» Zwiesprach, den zwei Alte gethan Zwei Ältere trägt die Erde nicht, Sie leben bis zuni jüngsten Gericht. Der eine heißt Isaak Wanderschnell, Der andere Elend, ein dürrer Gesell, Und wo er zieht über Land und Meer, ■ Da ziehet der Jammerer hinter ihm her. Ach, wär' er tot, ach wär' er tot, Die Menschen wären aus aller Not. Bei Orleans, da trafen sie sich Und grüßten als Alte sich brüderlich. Und Elend sprach zu Isaak zuerst: Sag', ewiger Jude, woher Du fährst? Und sag', was thust Du in dieser Welt? Ich seh', mit Dir ift's traurig bestellt. Der ewige Jude: Ich wand're bei Tag, ich wand're bei Nacht, So will es Gott, dem ich Leid gebracht. Ich wand're bei Nacht, ich wand're bei Tag Und leide mehr als ein Mensch vermag. Ach leben — und sterben kann ich nicht! Ach leben bis zum Jüngste» Gericht! Ich glaubte der Ältste auf Erden zu sein, Nun sah ich, Du trägst noch ältere Pein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.