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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-07-01 · Heft 7 (1.7.1900) · p. Seite 151

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 7 (1.7.1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 151 (sequence 9)
Language
German
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151 hatte, wer von beiden die Welt durchwandern und wer ewig starr auf dem Beige sitzen soll, da traf das erstere Los den Juden. In der Schweiz ist er ebenfalls bekannt. Er kehrt öfters an denselben Ort zurück und erzählt den aufeinanderfolgenden Geschlechtern, wie es Jahrhunderte früher da ausgesehen. So kommt er z. B. nach Basel, >vo er zuerst nur einen schwarzen Tannenwald, das zweitemal dichtes Dornengestrüpp, das drittemal eine von einem Erdbeben zerstörte große Stadt vorfindet. Und als er noch einmal wiederkehrt, da versammeln sich seine Glaubensgenossen zum Zionistenkongreß. In der Berner Stadtbibliothek wurden noch im vorigen Jahrhundert ein Stecken und ein Schuh vom ewigen Juden aufbewahrt. Auch in den Niederlanden war der Jood'sche Wandelar eine wohlbekannte Erscheinung. Im Jahre 1640 begegnen ihm zwei Bürger aus Brüssel in einem Walde, er geht mit ihnen in eine Herberge, setzt sich aber nicht, sondern trinkt stehend. Vor der Thür erzählt er ihnen noch viel und meist hundertjährige Geschichten. Daraus erkennen die Bürger bald, daß es Jsak Laquedem, der ewige Jude sei und sie verlassen ihn mit großem Schrecken. Diese Begegnung wurde in zwei französischen Holzschnitten, die sich aus dem 17. Jahrhundert erhalten habest, künstlerisch verwertet. Was den Namen Laquedem anlangt, so wollte man darin das hebräische „lakedem“, den Mann der Urzeit erblicken, er hängt aber wahrscheinlich mit dem spanischen Namen von „laufen" zusammen, es ist der laufende Jude. Jan Aerts von Mecheln in Flandern erzählt im 16. Jahrhundert die Sage in einer Version, die speziell an Jerusalem haftet und sich an die alte Malchussage anschließt. Es soll nämlich ein großer Factor von Portugal in Jerusalem nur ausnahmsweise vom Sultan die Erlaubnis erhalten haben, die geheimnisvolle Persönlichkeit zu sehen. Diese ist sorgfältig bewacht in einem Raume, der durch acht hölzerne Thüre» und eine eiserne verschlossen ist. Bei der neunten Thür sprach der Sekretär des Fürsten durch das Schlüsselloch zu dem drinnen Befindlichen, indem er ihn benachrichtigte, sich keinem, der nicht Christ wäre, zu zeigen, weil jeder Ungläubige infolge einer übernatürlichen Einwirkung bei seinem Anblick sofort den christlichen Glauben annehmen würde. Der Aufenthaltsort dieses sonderbaren Wesens ist einen Steinwurf von dem Thore entfernt, durch welches Jesus mit dem Kreuze beladen schritt. Dann folgt die Erzählung von der Verstoßung des Heilands und der Verfluchung des Sünders. Als der Factor sich ein wenig von dem Schrecken ob seinem Anblick erholt hatte, richtete er an ihn auf hebräisch das Wort, aber er erhielt keine Antwort; alsdann sprach er zu ihm griechisch, lateinisch, italienisch, aber vergeblich; denn der Jude redet nur einmal ick Jahre, am Charfreitag, wenn er fragt, ob der Mann mit dem Kreuze schon erschienen sei und ob die Weiber noch Mütter würden. Sein Name ist Jan Baudewyn. Es heißt dann: „Wir betrachtete» ihn eine starke halbe Stunde; während dieser Zeit verriet kein

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