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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-07-01 · Heft 7 (1.7.1900) · p. Seite 150

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 7 (1.7.1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 150 (sequence 8)
Language
German
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150 von Eyzen, als derselbe noch Student in Wittenberg war, mit dem ewigen Juden in einer Kirche zu Hamburg. „Man habe da unter der Predigt einen Mann stehen gesehen, barfuß, eine lange Person, mit langen über die Schulter hängenden Haaren, welcher mit solcher Andacht die Predigt angehöret, daß, wenn der Name Jesus genennet, er sich zum demüthigsten geneiget, an seine Brust inniglichen geschlagen und geseufzet. Er hat aber gar keine andere Kleidung gehabt in solchen« kalten Winter als ein Paar Hosen, die an den Füßen durch und durch zerrissen ge>vesen» und einen umgegürteten Leibroch welcher bis auf die Füßen gereichet". Als man ihn gefragt hatte was er sei, habe er gesagt, er heiße Ahasverus, seines Handwerks ein Schuster, er lehr seit der Kreuzigung, er habe allem Akt mit Christo beigewohnt, als nun Jesüs bei seinem Hause sich habe anlehnen wollen, habe er aus Eifer und Zorn und um Ruhmes willen bei den andern Juden den Herrn fortgejagt und gesprochen, er solle sich weg verfügen, wohin er gehörte, so habe ihn Christus darauf stracks angesehen und zu ihm mit diesen Worten gesprochen: „Ich will anhie stehen und ruhen, aber Du sollst gehen bis an den jüngsten Tag". Man hat Ahasver nie lachen geseh'n. Er hat aber dazumal die sächsische Sprache geredt nicht anders als ein geborner Sachse — und wenn er jemand bei Gottes Marter oder Leiden fluchen hörte, hat er sich darüber heftig erbittert und geklagt: O Du elender Mensch, sollst Du den Namen Deines Herrn also liederlich mißbrauchen?" Es giebt ferner noch eine Menge Berichte, Erzählungen und Volksbücher über den »ewigen Juden", wie er in der Volkssage genannt wird. Das verbreitetste Volksbuch war die „kurze Beschreibung und Erzählung von einem Juden mit Namen Ahasver" vom Jahre 1602. Er wird meist Abasver, gelegentlich Gregorius (der Wachende) oder Kranz genannt. Man sah ihn in Naumburg, Schleswig, Danzig, Lübeck und Lüneburg. Die Volkssage schildert ihn meist demüthig und freundlich. Er ist ein eisgrauer Mann, Rock und Bart reichen ihm bis zur Erde. In Niederdeutichland kehrten die Bauern Samstag abends die Eggen auf dem Felde mit den Spitzen nach innen, damit sich der ewige Jude darauf setzen könne, die Unbarmherzigen aber kehrten die Spitzen nach innen, damit er.nicht ausruhen könne. Er nimmt einen bestimmten Weg und kehrt alle 7 Jahre wieder. Jeden Tag erhält er 18 Pfennige zur Zehrung, von denen er noch an Bettler verschenkt. In Schwaben hat er nur einen Groschen in seinem Sack, aber alle Zeit, er kann ihn ausgeben wann er will. Nach einer Vorarlberger Sage kehrt dieser Groschen, so oft er ihn ausgegeben, immer wieder zu ihn« zurück, es ist derselbe, den er in Jerusalem bei sich hatte, als er Jesus von seiner Schwelle vertrieb. Häufig kehrt er bei Bauern ein, kann aber bei Tische nicht sitzen, sondern geht unaufhörlich um den Tisch herum» denn gehen muß er immer. Auf dem Ötzthaler ferner sitzt eine Hexe, die Langtiittin, die mit dem ewigen Inden gelost

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