Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 147 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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147 es Dich an?" Daraus entwickelte sich der Glaube, daß Johannes bis zur Wiederkunft Christi fortleben solle, um für seine Lehre gegen den Antichrist zu zeugen und zu streiten. An feinem Grabe wollte man bemerken, wie die Erde von dem Athem des lebendig im Sarge Ruhenden auf- und niederwalle, itub noch im 17. Jahrhundert erwartete eine englische Serie seine Wiederkunft. In der altchristlichen Legende, wie sie sich bei den Kirchenvätern findet, erscheinen auch Enoch und Elias unter denen, von denen Jesus sagte, „daß sie den Tod nicht schauen, bis daß sie de» Menschensohn kommen sehen in seinem Reich". Jedenfalls tritt in der späteren Sage ein deutlicher, absichtlicher Gegensatz hervor zwischen Johannes, der bleibe» soll, bis der Heiland wiederkommt, und Ahasver, über den Jesus in der Sage in fast denselben Worten den ewigen Fluch verhängt. Ein evangelisches Urbild des Handwerkers, der den Herrn trotzig von der Schwelle stößt, erblicken wir in einem gewissen Marcus oder Malchus, einem Diener des Hohepriester-, von dem es heißt, daß er Jesus vor dessen Kreuzigung mißhandelt und ihm einen Backenstreich versetzt habe. Einer altitalienischen Legende zufolge mnß er dafür ewig unter der Erde um die Säule laufen, an welcher Christus vor seiner Kreuzigung gebunden wurde. Seltsam ist die Ähnlichkeit der Ahasversage mit einer Sage, die sich im Koran findet, nach welcher Moses jenen Jude», der das goldene Kalb verfertigt hatte, namens Sameri, zur ewigen Wanderung verurteilt. In Rom bestand, wie uns schon Tacitus berichtet, die Sage von dem Fortlebeu des Kaisers Nero, dieses blutigsten Menschen- und insbesondere Christenverfolgers. Wie leicht konnte man ihn, der Christen zum bloßen Schauspiel wie lebende Fackeln anzünden oder als Tiere verkleidet, mit Hunden hetzen ließ, als den Typus alles Bösen hinstellen, ihn mit dem Antichrist identificieren, mit jenem Tiere des Abgrunds, das am Ende der Zeiten vor der Begründung des ewigen Reiches noch die letzte Schlacht schlagen werde. Sein Tod war zweifelhaft, es heißt in einem Berichte von Lactautius: „Er verschwand plötzlich, daß nicht einmal eine Stelle ans der Erde Grabstätte für ein so böses Tier wurde". Und der Kirchenvater Hiorvu^mus sagt deutlich: „Infolge der Größe seiner Wildheit und Schändlichkeit glauben viele, daß Domitius Nerv der Antichrist sei". Die Gestalt des ewig fortlebenden Nömerkaisers steht wahrscheinlich in Beziehung zu den häufigsten Namen des ewigen Juden Aha-vrr. Achaschmerosch hieß ja bekanntlich jener Perserkönig, der, wie uns das Buch Esther erzählt, angestiftet von Haman, die Jude» seines Reiches vertilge» wollte- Was Nero de» Christen, war ungefähr Ahasver den Juden, die Gestalt jedeß neue» Beifolgers konnte ähnlich erscheinen der wohlbekannte» alttestainentlichen Gestalt, ja inan hat eine alte auf den Antichrist bezügliche Weissagung der Evangelien, worin von zwei bösen Tieren die Rede ist, von denen das eine verlangt, daß inan das andere anbete, geradezu auf Ahasver und Haman bezogen.