Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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143 der Europäer Pflicht, die Schuld ihrer Borfahren zu vergüten und die durch sie ehrlos wurden, der Ehre wieder fähig und wert zu machen .... Wenn erst die sozialen Schranken zwischen Juden und anderen Konfessionen gefallen sein werden, so werden die Ersteren, „meint Herder mit prophetischem Geiste", „mit desto regerem Eifer an den Kulturbestrebungen der Völker teilnehmen." — So dachte und schrieb Herder; der Einfluß seiner Werke bahnte unsere Emancipation an und die Judenheit wird dem edlen Fürsprecher stets ein dankbares Andenken bewahren.,— Mehr als eine Stunde war nur zu schnell verflossen, als Herr Rechtsanwalt Cahen seinen Vortrag schloß und gar mancher Zuhörer war über die ebenso geistvollen, als fesselnden Ausführungen sehr befriedigt. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Frank, sprach dem Vortragenden den Dank der Versammlung aus und es folgte eine interessante Diskussion, die noch manchen Gedanken über Herder's Verdeutschung jüdischer Sagen und Legenden zu Tage förderte. — Der vor Kurzem in Köln ins Leben gerufene liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zählt bereits über 200 Mitglieder, lauter geachtete und gebildete Männer und wird, daran ist nicht zu zweifeln, immer mehr Anhänger finden. Vor einiger Zeit fand die erste ziemlich zahlreich besuchte Generalversammlung statt. Nach Eröffnung derselben und einigen geschäftlichen Mitteilungen hielt Herr Rechtsanwalt Dr. Callmann ein Referat über die bereits erreichten Ziele und Bestrebungen des Vereins. Zu ersteren gehöre die nicht zu unterschätzende Öffentlichkeit der Repräsentantenverhandlungen, die früher stets geheime Sitzungen waren. Der Verein müsse eine notwendige Gegenströmung sein gegen die im Vorstände und dem Repräsentantenkollegium herrschende Orthodoxie, die sich besonders in den gottesdienstlichen Einrichtungen geltend mache. Es sei nicht die Absicht, einen Gewissenszwang auf die Anhänger des Herkommens auszuüben, doch müsse man konsequenterweise auch verlangen, daß der der freieren religiösen Anschauungen huldigenden Partei, und das ist die überwiegende Mehrzahl, ebenfalls Gerechtigkeit und Berücksichtigung zu Teil werde. Das könne geschehen, weil hier 4 Synagogen, 2 Rabbiner und mithin Raum für Alle, Orthodoxe und Neologen sei. Eine Enquete vor der Einweihung der neuen Synagoge, resp. Anfrage bei 2506 steuerzahlenden Gemeindemitgliedern, ob sie die Bedürfnisfrage hinsichtlich der Einführung einer Orgel bejahen oder verneinen, hat das Resultat ergeben: 1301 bejahend, 282 verneinend, 57 unbeschrieben, also eine imposante Majorität für die Orgel. Nuil richtete man eine Petition an die Gemeindevertretung, die Orgel einzuführen und erwartete sicher, daß eine solche Willensäußerung nicht unberücksichtigt bleiben würde, aber die repräsentative Körperschaft ging über die Petition einfach zur Tagesordnung über und würdigte die 1301 Petenten nur einer vom Gemeindesekretär Unterzeichneten kurzen Antwort. Daher betonte der Referent hätte sich die dringende Notwendigkeit ergeben, einen Verein zu bilden, der es sich zur Aufgabe, stelle, die Rechte Aller zu wahren und daß man alle Mittel und Hebel in Be-