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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-06-01 · Heft 6 (1.6.1900) · p. Seite 144

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 6 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
Seite 144 (sequence 24)
Language
German
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wegung setzen müsse, um bei der Ende dieses Jahres stattfindenden Repräsentantenwahl Männer in das Kollegium zu bekommen, die die Anschauungen der Wähler mutig zu vertreten geneigt seien. Jeder Jndifferentismus, alle Lauheit gegen religiöse Interessen müsse unterbleiben mit der Devise am Wahltage: „Alle Mann an Bord!"; und dann würde der Friede in der Gemeinde ungestört bleiben. Die Rede des Herrn Dr. Callmann wurde mit vielem Beifall ausgenommen und es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, worin noch verschiedene Übelstände in den Gemeindeinstitutionen gerügt und von einem anwesenden Repräsentanten Abhilfe versprochen wurde. Auch beabsichtigt man, von Zeit zu Zeit von tüchtigen, liberal denkenden jüdischen Theologen und anderen wissenschaftlich gebildeten Männern Vorträge halten zu lassen. Es wurde ein Komitee gewählt, welches die Aufgabe übernomuien hat, für den Verein Propaganda zu machen resp. Mitglieder zu werben. — Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Köln hielt Herr Dr. Simchowitz' einen Vortrag über jüdische Malerschriften. Der Redner führte zunächst aus, zu den gewöhnlichen Vorwürfen gegen die Juden gehöre auch derjenige, daß sie in der bildenden Kunst nichts geleistet hätten. Diese Behauptung sei grundfalsch. Jahrhunderte bevor noch die griechische Kunst den Schauplatz der! Geschichte betrat, zeigte sich schon in der Mitte Israels in dem Bau der Stiftsj Hütte künstlerische Schönheit in hoher Vollendung und in den letzten 30 Jahren des 19. Jahrhunderts haben wir allein in Westeuropa zwei weltberühmte Maler j (Liebermann in Berlin und Israels in Amsterdam) und einen bewunderten Bild- Hauer (Antakolski in Paris) alle drei jüdischen Stammes. Aber selbst in den j dunklen Zeiten der Verfolgung verloren unsere Altvordern nicht den Sinn für - bildlichen Schmuck, den sie zumeist in ihren Büchern zum Ausdruck brachten, 1 Beispielsweise ist noch eine hebräische Pergamenthandschrist von Maimonides aus i dem Jahre 1295 vorhanden, von Nathan den Simon in Köln hergestellt, die! durch die Vollendung ihrer Miniaturen zu den wertvollsten Denkmälern gothischer I Pergamentmalerei gehören dürfte. Im Landesmuseum zu Serajewo wird eine j Hagadah aufbewahrt, die aus dem frühesten Mittelalter stammt und mit einem CycluS von prächtigen Bildern ansgestattet ist, welche hauptsächlich die biblischen Erzählungen oft mit großer Naivität illustriren. Eine andere kostbare Hagadah, im Besitze des Herrn Rabbiners Dr. Frank in Köln, stammt aus der berühmten Familie von Geldern in Düsseldorf aus dem Jahre 1727. Vielleicht haben die zierlichen Malereien Heine die erste Anregung zu seinem Rabbi von Bacharach gegeben. Inhalt: Zum Wochenfest. — Dr. Jfaac M. Wise. — Mitleid, Pietät, Humanität. — Zur Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg. — Sabbath „Schiru." — Treue. — Monatsschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Aufsarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner'S Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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