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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-06-01 · Heft 6 (1.6.1900) · p. Seite 141

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 6 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
Seite 141 (sequence 21)
Language
German
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— 141 — die Thora- und Hastara-Vorlesungen dauern so lange, daß man sich der Unterhaltung hingiebt, denn wer vermag dem Tempo folgend gar die Übersetzung in sich, aufzunehmen? Ob außer dem Herrn Rabbiner und den Lehrern wohl noch etliche Personen dazu im Stande sind, bezweifle ich ganz entschieden. Solch' ein Gottesdienst soll uns veredeln? Schon in den 1860er Jahren traten hier erleuchtete Männer zusammen, um die von ihnen seit 1849 hier eingeführte moderne gottesdienstliche Ordnung zu revidieren; von Zeit zu Zeit thut eine Revision immer not. Alles scheiterte aber an dem Widerstande des Rabbiners und heute ist es noch ganz genau derartig bestellt, es bleibt eben Alles schön beim Althergebrachten, aber dafür wird die Kluft immer größer, d. h. der Jndifferentismus macht Riesenfortschritte! Das Unzweckmäßige unterjocht das durchaus Zeitgemäße, aber dafür steht es ja im Gesetze des ehemaligen Königreichs Hannover vom Jahre 1860. 8 5 lautet: „Abänderungen der bestehenden Form des Gottesdienstes (Liturgie und Ritus) bedürfen der Genehmigung des Landrabbiners, wesentliche Abänderungen durch den letzteren der Zustimmung der Gemeinde." Und wie in der hiesigen Gemeinde, sieht es in vielen, vielen Gemeinden des deutschen Reiches aus. — Gewiß verdient das Streben edler Männer vollste Anerkennung, so des Herrn Levinstein in Lichterfelde bei Berlin, auf dem Gebiete der Schaffung einezeitgemäßen Ruhetages, des Herrn Dr. Vogelstein in Stettin behufs Einführung eines Gottesdienstes, welcher unserer wunderbaren Muttersprache mehr Platz gönnt — — aber Alles vergeblich; mehr oder minder verschließt man sich lediglich aus Gleichgültigkeit, diesen wackeren Vorkämpfern Folge zu leisten und zeitgemäße Reformen zu erkämpfen. Mit beiden Herren hatte ich das große Vergnüge«, . Briefe zu wechseln, ich hatte auch dem Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bund in Berlin, diese Dinge eingehend vorgetragen, aber es bleibt Nacht um uns her. — Welch bedeutsame Aufgabe könnten dabei die jüdischen Litteratur-Bereine durch eine gediegene Propaganda erfüllen! Schön und lehrreich ist es für uns Juden, die alten biblischen Bilder vor die Augen geführt zu erhalten — aber was der Gegenwart bitter not thut und wie es menschlicher Berechnung nach um unsere Zukunft, insbesondere um die Fortpflanzung unserer ehrwürdigen Traditionen durch, unsere Kinder bestellt sein mag, über diese Themata hört man leider keinen der trefflichen Redner ein Wort verlieren. Es wird in der That höchste Zeit, daß sich die deutschen Juden auf sich selbst besinnen. — Man schreibt uns: Die in der Genisah zu Kairo aufgefundenen Schriftstücke sind vielleicht dazu geeignet, neues Licht auf die Kultur der jüdischen Vergangenheit zu werfen. Sie sind teilweise sehr gut erhalten und nicht allzu schwer zu entziffern. So enthält ein Manuskript eine Niederschrift von Kap. X,12 bis XI,10 hes Buches Sirach; ein anderes, wie das vorhergenannte in hebr. Schriftzügen, enthält eine Verzichtleistung auf eine Erbschaft, geschrieben im Monat Nissan des Jahres 831, also gerade 1050 Jahre alt. Ein Teil dieser Fragmente ist auf Veranlassungdes Herrn Rabbiner - °'- . „ %, i .1

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