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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-06-01 · Heft 6 (1.6.1900) · p. Seite 140

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 6 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
Seite 140 (sequence 20)
Language
German
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— 140 scheint. Baruch bedeutet bekanntlich der Gesegnete. Darum geht denn auch von diesem Namen seit längerer Zeit ein so unverkennbarer Segen aus, obwohl viele diesen Segen noch immer nicht zugebe» wollen. Es ist der Segen des Bundes, es ist der auf dem Flügel der Völkertradition fortlaufende Segen des Mosaismus, es ist der dumpfe Groll des Judentums, welches, allerdings in seiner geschichtlichen Idee oft einseitig und roh aufgefaßt, mit der herben Strenge seines ethischen Gesetzes, mit der Schärfe seiner Verstandesgewalt jetzt als das ätzende Salz wirken soll, uns vor der Fäulnis des Stolzes und der richtenden Unmenschlichkeit gegen anders Denkende zu bewahren. Man muß das Judentum in seinen heiligen Rechten anerkennen, um das Christentum in seiner Weltmission und Universalität verstehen zu können- Ja, Baruch Spinoza und Baruch Börne! Welche Verfolgung, welche Schmach knüpft sich an diese beiden Namen! Aber der Verfolgte war doch stärker als der Verfolger und der Geschwächte war doch reiner und seliger als der Schmäher und wer zweifelt wohl noch, daß diese beiden Geister für das Gedeihen wahrhaft freisinniger Prinzipien gerade in unfern Tagen besonders wirksam gewesen? — Wie sich Baruch Spinoza am liebsten Benedikt zu nennen pflegte, so haben diese beiden Benedikte, Spinoza und Börne, in der neuen Zeit, wenn auch in weiten Zwischenräumen, einen neuen, einen weitverbreiteten Orden der Benediktiner gestiftet, welcher die Freiheit und die sittliche Würde und das Recht der Individuen schützt und schützen, wird, ob deren Beschützer auch nicht seien die Söhne von Fürsten, und ob sie auch nicht, aufzuweisen haben die Approbation irgend eines Papstes!" — Ein Vorsteher aus dem Hannoverschen richtete an Herrn Dr. Karpeles ein Schreiben, aus dem folgende Stellen mitgeteilt zu werden verdienen: Ebenso wenig wie Diejenigen, welche Bodenkultur und Handwerk u. s. w. betreiben, die nötige Zeit finden, von Freitag Nachmittag bis Montag zu feiern (ich rechne den Sonntag, welcher den Israeliten diese Art von Arbeiten schon gesetzlich verbietet, gleich mit), so wenig kann sich der Handelsstand diese lange Feierzeit erlauben, oder er geht immer mehr in seinen Verhältnissen zurück. Daher kommt cs auch, daß die Gottesdienste öde und leer geworden, seitdem die sogenannte Sonntagsruhe gesetzlich geboten, und wenn ich Ihnen sage, daß unsere Gemeinde, welche ca. 600 Mitglieder zählt, am Freitag Abend nur durch etwa 15 Personen, am Sabbath Morgen durch die doppelte Zahl vertreten wird (darunter ältere Leute über 70 Jahre zählend), so frage ich mich, wie lange kann das überhaupt noch so weiter gehen? Vor 10 Jahren hatten wenige Geschäfte an den Sabbathen geöffnet, heute dürfte auch nicht ein einziges geschlossen haben. Bedenken Sie ferner, daß diese Geschäfte zumeist jüdisches Personal beschäftigen, die Kinder, unsere natürliche Zukunft, aber auf den Schulbänken am Sabbath sitzen, so wird es Ihnen klar, wie ein solcher Gottesdienst aussieht, obschon man von bis 1/al 1 Uhr darin weilt. Und was bietet ein solcher Gottesdienst? Herzlich wenig für den empfindenden Menschen. Das Hebräische nimmt den ganzen Raum eiu-

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