Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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131 Rabbiner David Philipson vom Mound Straße Tempel spWch-kn« M« i ergreifendes Eingangsgebet, worauf ein von dem Verstvrbenen verfaßtes Lied: ' „Es leben Deine Toten" unter Begleitung des TempelchoreS gesungen wurde. Rabbiner Louis Großman, der Hilfs-Rabbiner des P.lum Straße Tempels, hielt darauf die Gedächtnisrede, in deren Verlauf er in beredter Weise die Tugenden des Verblichenen als Mensch, als Jude und als amerikanischer Bürger pries. Namentlich auf den letzteren Punkt legte Rabbiner Großman besonderen Nachdruck und wies darauf hin, daß, wenn auch Dr. Wise's Wiege in einem fremden Landa gestanden hätte, er doch mit Herz und Seele Amerikaner gewesen fei, daß sein Glaube, der Glaube der Israeliten in künftigen Tagen der Glaube werden würde, zu dem sich das gesammte Weltall bekehren ivürde. Am Schluß seiner Rede sprach Rabbiner Großman, nachdem die Trauerversammlung sich von ihren Sitzen erhoben hatte, das ergreifende jüdische Totengebet. Hierauf fang das Doppelquartett und der Chor den 23. Psalm „Der Herr - ist mein Hirte" und hiermit fand die Trauerfeier ihren Abschluß. Die Bahrtuchträger, die sich aus der Abiturientenklasse des Hebrew Union College rekrutierten, traten an den Sarg heran und trugen denselben auf den bereitstehenden Leichenwagen, worauf die Fahrt nach dem jüdischen Friedhof auf Walnut Hills, wo die Beisetzung stattfand, angetreten wurde. Auf dem Friedhofe fand, ehe die sterbliche Hülle Dr. Wise's zur ewigen Ruhe dein Schooße der Erde übergeben wurde, eine kurze Feier statt, bei der Rabbiner Charles S. Levi aus Peoria, Jlls., ein' früherer Assistent des Verstorbenen, ein Gebet sprach. Mitleid, Pietät, Humanität. Eröffnungsrede zur Jahresversammlung der „ Ghcvra Kadistha" und „Ehevras-Kafchim", gehalten im israelitischen Tempel zu Brüx von Dr. Adolf Wach» Rabbiner und Prediger in Brüx. : Diese Welt ist nur einer Vorhalle zu vergleichen; rüste Dich in der Vorhalle, , y ans daß Du einst einziehcn kannst in den Palast! So, a V., lautet ein Ausspruch / unserer Weisen. Allein das Leben mit seinen Sorgen und Mühen, der Kainps ums Daseiik, der immer schwieriger wird, nehmen alle unsere Kräfte in Anspruch; sie lassen uns kaum zur Ruhe kommen, und für einen Schwärmer hielte man den, der uns alltäglich zuriefe: diese Welt gleicht nur einer Vorhalle. Doch jetzt, in dieser feierlich ernsten Stunde, wo wir nach einer schönen und pietätvollen Sitte unserer heiligen Vereine, der Ghevra Kadischa und Ghevra»-Kaschim, uns hier versammelt, um unserer teueren Toten zu gedenken, in dieser Stunde, wo wir an die Vergänglichkeit alles Irdischen gemahnt werden, wo uns lebhaft vor die Seele tritt das Wort der Schrift: „Nur Pilger sind wir hier auf Erden" (1. B. Chr. 29,15),