Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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■ ■"' ' ' "' "*-■';"'" y:!':C''-?-ß — 129 — die damals in den jüdischen Gemeinden noch allgemein in Gebrauch waren, mußtenausgemerzt werden, ehe die Bahn für fortschrittlichere Ideen freigemacht werden *, konnte. Mit erstaunlicher Kühnheit räumte er unter den alten ritualen Gebräuchen auf, schaffte er die strenge Sonderung der Geschlechter beim Gottesdienst ab und V führte zahlreiche andere Neuerungen ein, welche im Einklang standen, mit den , modernen Anschauungen intelligenter Menschen.. Er ließ Mädchen zur Confirmation zu und räumte überhaupt den Frauen dieselben Rechte ein, welche die Männer genießen. . Ferner gründete er die „Union of American Hebrew Congregations,“ zu der heute fast sämmtliche. nicht ultraorthodoxen Gemeinden des Landes gehören.. Aus dieser Union enstand das Hebrew Union College, welches auf Veranlassung des Dr. Wise 1875 gegründet wurde, um für die Reformgemeinden des Landes Rabbiner herauzubilden, die vorbereitet sind, im Sinne der angebahnten Reform- . bewegung weiterzuwirken. Aus dem Hebrew Union College, das unter der Oberleitung des Dr. Wise stand, und dessen 25jähriges Jubiläum er nicht erleben sollte, .. sind bereits zahlreiche Rabbiner hervorgegangen, damnter einige der begabtesten», welche oie Ver. Staaten aufzuweisen haben. Den Bemühungen, des großen Reformators ist es ferner zu danken, daß die Central Conference of American Rabbis zu Stande kam, welche ini Jahre ' 1890 in Cleveland gegründet wurde, deren Entscheidungen aber nur für die Mitglieder bindend sind. Abgesehen von seiner ausgedehnten journalistischen Thätigkeit hat Dr. WM ' auf literarischem Gebiete sich auch bleibende Denkmäler geschaffen. Er schuf den „Minhag American,“ ein modernes Ritual, welches in mehr als hundert Gemeinden des Landes benutzt und erst vor Kurzem durch das Union-Gebetbuch verdrängt wurde. das unter der Aufsicht der rabbinischen Central Konferenz, deren Präsident Dr. Wise war, zusammengestellt ward und gewissermaßen als eine moderne Austage des „Minhag American“ angesehen werden kann. Unter den Abhandlungen und Werken, welche der Dahingeschiedene im Laufe der letzten fünfzig Jahre verfaßt hat, sind zu erwähnen : „The History of tbe Israelitish Nation,“ „History of the Hebrews’,“ „Judaism, its Doctrines and Duties,“ drei Vorträge über Jesus, Paulus und die Apostel. „The Origin of Christianity.“ „Judaism and Christianity, their Agreements and Disagreements,“ „The Cosmic God,“ „Pronaos to Holy Writ“ und viele andere. Wir lassen Hier zum Schlüsse den uns zugeschickten Bericht über die Trauerfeier folgen: Am 29. März wurde die sterbliche Hülle des großen jüdischen Reformators» . des eminenten Gelehrten, des hervorragenden Schriftstellers und Journalisten Dr. Jsaae M. Wise, zur ewigen Ruhe gebettet. Getreu dem vom Verstorbenen geäußerten Wunsche wurde, hei der Trauerfeier, die der Beisetzung vorhergiug, wie bei dieser selbst, von jeglichem Gepränge abgesehen. Ohne jede Prachtentfaltung»