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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-06-01 · Heft 6 (1.6.1900) · p. Seite 123

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 6 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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■; *-*&* >■ ■.? h~ "■ * — 123 - Völker und Nationen das Althergebrachte verwerfen, verachten, verspotten, nach dem schimmernden Lichte neu auftauchender Ideen drängen, fremdartige Doctrinen erhaschen, an jedem schäumenden Becher des Seltsamen und Ungewohnten nippen, das süße Gift naschen, das langsam aber sicher, die innere Lebenskraft zerstört und zerfrißt. Wir sehen zu allen Zeiten, in allen Ländern, neue Religionen und Sekten entstehen, gleich dem Chamäleon Farbe, Kleid und Grundidee wechseln, und vergehen. Nur der Jude haftete, als der Einzige, an den geheiligten, vieltausendjährigen Ueberlieferungen seiner Ahnen, unverbrüchlich hielt er fest und treu an dem ewigen Worte des ewigen Gottes, der ihn aus der Knechtschaft heraus in das verheißene Land und über die ganze Welt geleitet- Er allein bewahrte die der Menschheit geoffenbarten Wahrheiten als sein höchstes Heiligtum, als seinen köstlichen,, unantastbaren Schatz, aus dem seine Stärke, seine Kraft, sein Leben, seine Unsterblichkeit stammen. In dem Vertrauen auf den Einen-Gott, in dem Glauben an seine heilige Offenbarung, in dem unwandelbaren Festhalten an den Tugenden seiner Patriarchen und Altvordern findet jenes historische Phänomen seinen natürlichen, seinen wahren und einzigen Erklärungsgrund. Welche Wahrheiten auch immer Philosophie aus den, unerschöpflichen Borne der Wissenschaft geschöpft, welche Weisheit der grübelnde Menschengeist auch immer aus dem unergründlichen Schachte der Natur herausholte, welche Lehren, Grundsätze und Theorieen er auch immer aus dem Buche der Erfahrung ableitete, der Glaube an Gott, die Heilighaltung der Sitten Heimgegangener Ahnen, blieb dem Israeliten das Höchste, blieb Jahrhunderte, Jahrtausende hindurch unveränderlich und immer gleich. Und weil er so festhielt an den rein göttlichen Prinzipien seiner Religion, weil er so hoch die Sitten und Gebräuche seiner Vorfahren ehrte und übte, blieb er und bleibt er. Er war und fühlte sich auch in der Kette der sichtbaren Schöpfung als das wirkliche Bindeglied, das ihn hinzieht zu jenem unsichtbaren, allgewaltigen, unendlichen Wesen, dem er mit alleni, was da ist, war und wird, sein Sein, seine Existenz verdankt. Die mosaischen Schriften blieben die einzige, unverrückbare Direktive für seinen Handel und Wandel, und je inniger, je reiner die geoffenbarten, göttlichen Ideen im Getümmel des Erdenlebens zum Ausdruck kommen konnten, desto höher erhob sich das Judentum, desto näher kam der Jude der menschlichen Vollkommenheit, desto besser realisierte er seine sittliche Aufgabe auf Erden. Und daß auch wir unserer Lehre eine stets sich erneuende Kraft einräumen, beweist äußerlich die schöne Sitte die Gotteshäuser mit dem Zeichen frischen Lebens, mit dem Symbole unserer sich immer neu verjüngenden Thorah, mit schönen Blumen, mit jenen lieblichen Kindern des Frühlings zu schmücke» zur Ehre unieres Festes, zur Erinnerung an jene paradisisch schöne, wundervoll duftende Blumen am Sinai, als Beweis, daß wir der Kraft des Judentums vertrauen, daß die

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