Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1900)
- Date
- 1900-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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? 'ysTW'f^'W'7' I — 116 und Schacher nachgehen, und alles mit dem Gelde, das er den Christen abwucherte,\ ausgleichen konnte, während der Bauersmann Haus und Hof, Weib und Kind verlassen, und sein Leben für das Vaterland einsetzen mußte. In dieser Stimmung gesellten sich einige 20 junge Leute aus Laterus und Sulz zusammen, drangen, vordem Abmarsche in das Haus des Josle Levy, zerschlugen sämmtliche Mobilien, nahmen Kleidungsstücke rc. auf den Weg mit. Mit dem Ausrücken des Landsturmes in den letzten Tagen des Oktobers wiederholte sich die Äiigstigung der Juden; Angehörige der Gemeinde Rankweil wählten sich drei Judenhäuser zum Angriffe,, schlugen Thüren, Fenster, Öfen und Gerätschaften zusamnien; fanden sie irgend eintaugliches Kleidungsstück für sich, ihre Weiber und Kinder, so machten sie keine Gewissenssache daraus, und ließen es mitläufen. Jämmerliches Klaggeschrei wurde von den Inden bei dem Vogteiamte zu; Feldkirch erhoben, doch dieses war außer Stand, wirksam einzuschreiten, denn alles; streitbare Volk war an die Gränzen gezogen, und es schien nicht an der Zeit zu! sein, die Schuldigen heraus zu lesen und zu bestrafen. Die Hebräer zu Sulz erholten sich wieder von ihrem Schrecken, besserten die Wohnungen aus und trieben ihre Geschäfte fort. Bei der Heimkehr des Landsturmes am 10. und 11. November fielen zwar wieder einige Störungen der Juden vor. doch nicht in dem Grade, wie beim Aus- - zuge. Alles schien jetzt ruhig, aber im Stillen reifte der Untergang der Hebräer.! Der Wunsch, ihrer los zu sein, wurde von geistlicher und weltlicher Seite nicht geheim gehalten, doch verivahrte man sich gegen Anwendung gesetzwidriger Mittel, in welchen aber das Landvolk keinen gar feinen Unterschied machte. Am 21. Dezember versammelten sich einige Rädelsführer in der Sägmühle bei Sulz, und verabredeten sich, die Judenwohnungen zu vertilgen, und mit dem Haus des Emanuel Wolf den Anfang zu machen. Ein Fingerzeig hievon bewog die Juden zur Flucht. Sie zerstreuten sich in die Schweiz, nach Lichtenstein und Hohenems. In der folden Nacht gingen die Thäter mit vermummten und geschwärzten Gesichtern an die Arbeit; Feuerhaken, Äxte. Hebel und dgl. wurden herbei geholt, und unter Flinten- und Pistolenschüssen wurde das erste Judenhaus bis an das wenige Gemäuer, das zu den Feuerstätten gedient hatte, der Erde gleich gemacht. Am 22. Dezember Nachts ging das nämliche Spiel wieder an, und das zweite Haus fiel unter de« Händen der Stürmenden, deren Zahl sich schon beträchtlich vermehrt hatte. Durch den Erfolg immer kühner gemacht, hallte in der Nacht des 23. Dezember durch ganz Rqnkweil der Aufruf, sich anzuschließen und das Werk fördern zu helfen, und nicht vergebens; man fand jetzt keine Masken mehr nöhtig, und was nächtlicher Weile nicht zerstört werden konnte, vollendeten über hundert Teilnehmer am Helle« Tage. Die Mobilien wurden verschleppt, das Holz nach Hause geführt und zum Einheizen verwendet, und weil bekannt war, daß die Juden im Schlößchen zu Röttis