Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1900)
- Date
- 1900-05-01
- Page
- Seite 114 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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pfang lautete. Durch solches Gebühren steht der Bauersmann häufig unter jüdischer Botmäßigkeit, er muß oft den Wein am Rebstock abtreten und eine schlechte Gattung ist nicht unwillkommen, denn der Jude kauft noch guten Bergwein dazu, mischt untereinander, und bringt alles für gute Waren an den Äkann. Daher kommt es, daß der Oberländer Wein seinen Kredit verliert und die Wirte aus dem Bregenzerwalde in dieser Gegend nicht mehr einkaufen wollen. Den zeitlichen Nachteilen der christlichen ilnterthanen, gegen welche die 100 Dukaten Schutzgeld kaum in Anschlag gebracht werden können, fügten die Landstände die Gefahren für Recht und Sittlichkeit bei. Die Kinder der Christen und Juden laufen untereinander herum, jene lernen hebräisch singen und reden, wissen mehr aus dem Talmud als aus dem Katechismus zu antworten. „Sie führen" — heißt es in einer diesbezüglichen Eingabe — „einen ärgerlichen Wandel, essen auch an -christlichen ab8tm6ir-i und Fasttäge forth und forth das Flaisch, daß man doch anderen widrigen Religions - genossen an katholischen orthen nit gestattet." — Am Sabbath verlangen die Juden ungestört zu sein und erheben bei der mindesten Beeinträchtigung ihrer Ruhe die ungemessensten Klagen; kaum aber ist ihre Feier vorüber und der christliche Vorabend eingetreten, so fangen sie an zu schreien, jauchzen, tanzen und springen; an Sonn- und Feiertagen verrichten sie absichtlich ihre knechtlichen Arbeiten, schlachten Vieh, backen, waschen, reinigen die Ställe, halten während des Gottesdienstes Trinkstuben offen und verleiten die Christen zur Übertretung der kirchlichen Gebote. Wird zum Abendgebete geläutet, so erheben die Juden ein Geschrei, lachen und spotten über diejenigen, welche sich zu dieser Feier anschicken. — Es fällt unendlich schwer zu glauben, daß die Juden in ihrer Minderheit, froh, ein neues Heim gefunden zu haben, es geivagt haben, in solch provozirender Weise gegen die religiösen Gefühle ihrer Mitbürger vorzugehen. Selbst heute, wo doch das Landvolk durch Handel und Wandel mit Andersgläubigen viel mehr in Berührung steht und darum nicht mehr jene Voreingenommenheit gegen dieselben besitzt, die selbst die Gebildeten des siebzehnten Jahrhunderts an den Tag legten, würde eine in dieser Art geäußerte Intoleranz den Juden verdientermaßen übelbekommen, und weil auch die gewiß strentzkatholischen Organe der österreichischen Regierung von damals in ihren Berichten von einer solchen nichts zu melden wissen, vielmehr von einem diesbezüglichen Berichte, welchen wir weiterfolgend wicdergeben, sich in lobendster Weise für die jüdischen Kaufleute aussprachen, so vermögen wir nur für wahr zu halten, daß bei diesen Anschuldigungen die Landstände in Anwendung des pars pro toto, wie dies leider vielfach noch heute der Fall ist, nicht blöde waren. Das betreffende vom Oberamt zu Bregenz abgegebene Schriftstück lautet: „Zu Steuer der Wahrheit bekennen und bezeugen wir, daß wieder die hebräischen 8upplioantou wehrendt ihres schon lange Jahre hindurch ins Arlbergische herein treiben-