Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1900)
- Date
- 1900-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969879-2969885--5997-2975320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 109 — Thalern. Ihr Erfolg und ihr so rasches Gedeihen übten einen unwiderstehlichem Einfluß auf ihre Glaubensgenossen aus, welche in Masse sich zur Taufe herbeidrängten. Man hat sie im Lande immer Ne'ophyten genannt, d. h. Neu-Christen, wie man . sie in Portugal Christianos nuevos nennt. Ihre Ausschreitungen, sagt der Verfasser, ihr wucherisches Treiben hätten ' sie ans der Provence vertrieben, wenn nicht Louis XII. in seiner Geldbedrängnisihr Anerbieten hätte annehmen müssen zu seinen italienischen Kriegen eine große Summe Geldes beizutragen. Sie wurden nach dieser Zeit zu verschiedenen Malen mit Taxen und anderen Auflagen gebrandschatzt- Diese abhängige Stellung verletzte sie tief und sie versuchten um jeden Preis, sich davon zu befreien. Das sicherste Mittel ivar, in die geistlichen Staatsämter eintreten zu können. Aberdie geistliche Karriere war den getauften Juden durch die kanonischen Vorschriften verschlossen; Die Städte, bei denen sie in geringer Achtung standen, vertrauten ihnen ebenfalls kein Amt. So blieb denn als einziger . Ausweg das Parlament, wo die Verkäuflichkeit der Stellen ihnen den Eintritt gestattete. Sie wurden Parlamentsmitglieder seit der Regierung Karl IX. Die, Kinder der getauften Juden kauften die Stellen; die andern Neophyten ahmten ihnen nach, und in so großer Anzahl, daß sie bald die Hälfte des Parlaments ausmachten. ' . Eine andere Beschwerde: Die Nachkommen Aymar's, Stephan's und Thomassin's heirateten untereinander; Aus Geschwister-Kinder wurden Schwäger und nm sich vor jeder Feindseligkeit zu schützen» denn sie fühlten sich genau überwacht, mußten alle ihre Söhne in die gerichtliche Magistratur eintreten. Im Jahre 1587 ließ Wilhelm Aymar, Ältester des Parlaments seinen Sohn zum General- Prokurator ernennen, trotz einer lebhaften Opposition, welche sich in Vorstellungen . au den König äußerte. Es kamen die Wirren von 1588, welche ihm erlaubten, jeden Widerstand zu besiegen. Stephan ließ ebenfalls einen der Seinen zum „< li-et'fier civil“ ernennen und erlangte durch dieses für schnödes Geld erkaufte Amt einen bedeutenden Einfluß und hohes Ansehen. Die Neophyten werden eine wirkliche Macht, sie hatten sämmtliche Gerichte und Kanzlei-Gebühren-Ämter in ihrer Hand.' Was Thomassin anbelangt, so überläßt er seinen Posten als Ratsherrn seinem ältesten Sohn und läßt seinen jüngeren zum zweiten Advokaten ernennen. Der gegen sie eingenommene Minister verweigert erst seine Genehmigung, allein mau überlistet ihn und täuscht seinen guten Glauben. Man muß außerdem nicht übersehen, daß der erste Staatsanwalt, ein Herr Rabasse, ihr Onkel durch Verschwägerung ist. Die Mitglieder des Parlamentes sind genötigt, eine Geschäfts-Ordnung einzuführen, gemäß welcher die drei Stimmen, die der zwei Prokuratoren und die des zweiten General-Advokaten, nur als Eine zählen dürfen. .,•'■-31 ■Vjj w 1 .. m ri M JL