Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1900)
- Date
- 1900-05-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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■ — 106 — <§>ein juridisches Jnterresse kommt aber auch noch auf anderen Gebieten zum Ausdruck. Die Mißstände im Censurrechte, wovon uns ebenfalls die neuesten Zeitereignisse noch bedauerliche Proben gegeben haben, rügt er unter anderem in den Worten: „Und wird uns der ganze Verlag verboten, So schwindet am Ende selbst die Censur". Und als wendete er sich gegen die Dehnbarkeit des famosen Unfugsparagraphen und die, in den Debatten über das Bereinsrecht laut gewordenen Forderungen, verkündet der Dichter in dem Mandat aus „Krähwinkels Schreckenstagen": „Wo ihrer drei beisammen stehn, Da soll man auseinander gehn. -I- . * Wer auf der Straße raisonirt, Wird unverzüglich füsilirt, . Das Raisoniren durch Gebärden Soll gleichfalls hart bestrafet werden". Neben vielem anderen soll nur noch hervorgehoben werden, daß in der „Geschichte zur Religion und Philosophie in Deutschland" manche in das Gebiet der Rechtsphilosophie einschlägige Frage auftaucht. Der Dichter verfügt schließlich über einen solchen Reichtum spezifisch juristischer Ausdrucksformen, technisch-prozessualer Reminiszenzen, Bilder Und Vergleiche, daß er ‘ seine juristische Erziehung keinen Augenblick verleugnet. Als Beispiele greife ich nur heraus das schöne Gedicht aus dem „Lazarus", „vom Schöppenstuhle der Vernunft". „Die Eule studierte Pandekten, Kanonisches Recht und die Glossa“, worin, soviel der Torso mutmaßen läßt, der endgültige Untergang der römischen Reichs- und Rechtsherrschaft vorgeführt werden sollte. Menu sich der Dichter nach alledem mit Vorliebe seines Doktortitels bedient und sich denselben nicht nur in seinen Reisebildern, sondern sogar in mehreren Gedichten beilegt, so macht es, wie er in einem Briefe an seinen Schwager Embden nach bestandenen Examen schrieb,- nach dem Vorausgegangeaen „keine ironische Wirkung mehr" daß man ihn mit diesem Titel benenne. Ja, mehr als das! Wie Heine als letzter Romantiker und als Erschließer der Moderne einen Markstein bildet in der Geschichte der Literatur, so ist er auch ein eifriger Interpret der modernen Rechtsideen geworden, und wenn er sich in den „Bädern von Lucca" scherzhaft als einen der ersten Männer seines Jahrhunderts bezeichnete, so kann ihm dieser Platz an der Pforte des neuen Jahrhunderts mit vollem Rechte eiugeräumt werden. £rr-V*-« TU»-".