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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-05-01 · Heft 5 (1.5.1900) · p. Seite 99

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 5 (1.5.1900)
Date
1900-05-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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sein durchaus deutsches Empfinden. Aus dem Dichter spricht die Volksseele;v je mächtiger unser Nationalbewußtsein wurde, umso dringender verlangte Deutschland nach einem eigenen Rechle. Die jüngste Gegenwart, die dem Bedürfnis nach einem;■ einheitlichen und eigenen Rechte durch eine umfassende Gesetzesreforination nachgeholfen hat, hat dem deutschen Empfinden des Dichters Recht gegeben. Als er im Januar 1821 wegen eines Pistolendnells das consilium abeundi . erhalten hatte, setzte er seine Studien in Berlin fort. Obwohl er hier aus „der Rumpelkammer toter Gelehrsamkeit"heraus war und in den glänzenden Salons der, Rahel und der Dichterin von Hohenhausen, die ihn zuerst als Nachfolger Byrons proklamierte, außerordentlich gefeiert und durch die Herausgabe seiner Gedichte, Tragödien und des lyrischen Intermezzos erfreut wurde, die Briefe aus Berlin, - Ratcliff, die Memoire über Polen und eine Reihe von Gedichten schuf, betrieb, er seine juristischen Fachstunden doch mit regerem Jnterresse, als je zuvor. Die Hegelsche Philosophie und die geistvolle philosophische Begründung der Jurisprudenz ,, durch den Privatdozenten Gans erschlossen ihm das tiefere Verständnis für die Bedeutung und Aufgaben seines Faches. Er ward in das Naturrecht und die Staatswissenschaft eingeführt und dafür gewonnen; während ihn die Romanisten .. Savigny, wie elegant dieser auch, war, und der vielgeschäftige Schmalz nicht zu erwärmen vermochten. Der „deutjche Byron" plante sogar damals „ein historisches Staatsrecht des germanischen Mittelalters" zu schreiben und vollendete thatsächlich im zweiten Jahre seines Berliner Aufenthalts einen großen Teil dieses Werkes. , Die neue wissenschaftliche Methode aber, in der Gans bald darauf sein „Erbrecht in welthistorischer Entwickelung" behandelte, veranlaßte den Dichter sein Manuskript wieder zu vernichten. Schon um dem Wunsche seiner Eltern und Verwandten nachzukommen, gedachte er sich durchwein geregelteres Studium auf das Examen vorzubereiten. Ein nervöses - Kopfleiden, mit dem er schon länger behaftet war und mannigfache Schicksale machten aber eine Erholung dringend notwendig, und erst nach dreivierteljähriger Unterbrechung des Universitätslebens ließ er" sich im Jahre 1824 wieder in Göttingen immatrikuliere«. ' Die Ausschließung der Juden von der Staatskarriere und die Anfeindungen »yd Erniedrigungen, die Heine als solcher erfuhr, hatten zwar den Plan in ihm entstehen , lassen, das Studinnr aufzugeben und nach Paris überzusiedely, um als internationaler Vermittler des Deutschtums schriftstellerisch zu wirken. Sein Oheim aber, von dem, er alle pekuniären Unterstützungen bezog, war nicht erbötig, ihm die hierfür erforderlichen Mittel beizusteuern. Trotz seines Kopfleidens hielt er sich daher fortgesetzt an seinem Studium und legte der Muse einen Maulkorb an „daß sie ihn bei^r; juristischen Strohdreschen mit ihren Melodien nicht störe". Er wollte sein Brot „aus der Wagschale der Themis essen und nicht mehr aus der Gnadenschüssel, , seines Oheims". Da er aber voraussah, daß er nirgends angestellt und gezwungen sein werde, sich auf's Advocieren zu legen, „so mußte er sein zu« mit mehr Fleiß,,

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