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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-05-01 · Heft 5 (1.5.1900) · p. Seite 98

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 5 (1.5.1900)
Date
1900-05-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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' »J-1I..I l.‘, ari.ra.rf ■;*-- Mr *f ****> -•‘VT* — 98 — den Einblick in die reale Welt gewährt, am Ende nur deßhalb feind, «weil die Natur nicht einen Man» aus ihnen Beiden formte". Wie es sich aber von selbst versteht, daß eine aufgenötigte Berufsthätigkeit die Schwinge des Genius lähmt, so wird sich auch der seinem Drange folgende Künstler um seinen Brotberuf keine sonderlichen Verdienste erwerben. Wenn wir daher von einem poetischen Genie als Juristen reden, so wissen wir schon im Voraus, - daß von keinem Paulus oder Papinianus die Sprache ist. Wir liefern lediglich einen biographischen Beitrag zu seinem rein menschlichen Werdegang. Die Verehrung seiner künstlerischen Größe erweckt das Interesse an seinen persönlichen Schicksalen „Man gewinne einen Schriftsteller nur erst lieb", sagt Lessing, „und die geringste Kleinigkeit, die ihn betrifft, die einige Beziehung auf ihn haben kann, hört auf uns gleichgültig zu sein." Und das deutsche Volk hat den ungezogenen Liebling der Grazien lieb und weit über ie deutsche Heimat hinaus klingen seine Lieder. Weniger weit dürfte sein Ruf als Jurist gedrungen sein. Als er sich am 11. Dezember 1819 als Studiosus der Rechte und Kameralwisienschaften in Bonn immatrikuliren ließ, hatte er bereits eine dreijährige kaufmännische Thätigkeit hinter sich. Es ist leicht zu errate», daß er, der schon in Hamburg unter dem Pseudonyin Freudhold Riesenharf einige seiner „Traumbilder" und „Lieder und Romanzen" publizirt hatte, seine Kraft nicht auf das Rechtsstudium konzentrierte. Wenn er auch im ersten Eifer „zu den Füßen Mackeldnys und Melkers saß und die Manna ihres Wissens einschlürfte" so ward er doch nach wenigen Wochen schon äußerst selten in einem juridischen College gesehen. Deutsche Geschichte war neben schöngeistigen Dingen seine vorzugsweise Beschäftigung. Es entstanden die Sonette an Schlegel, mit dem er in regem Verkehre stand, die Fresko-Sonette an seinen Freund Sethe, eine ganz neue Verwendung des Sonettes und „Almansor", den er in dem Dörfchen Beuel, Bonn gegenüber, schrieb. Obwohl Heine sich der Burschenschaft angeschlossen und sich aufrichtig Zu ihren Bestrebungen bekannt hatte, hielt er sich doch von excentrisch«^ Deutschthünielei fern Er lebte enthaltsam, und wie groß auch seine künstlerische Ausbeute ans dieser Zeit war, so verließ er doch im Herbst 1820 dsr Stadt und wanderte nach Göttingen, um seine juristischen Studien dort eifriger zu betreiben. Die Glanzperiode der Universität war damals bereits vorüber. Der „enge, trockene Notizenstolz" der Bevölkerung und der exklusive Corpsgeist unter der Studentenschaft, die Heine in der „Harzreise" ohne gleichen geschildert hat, waren ihm bald verhaßt. Trotzdem kam er auch hier nicht recht zum „Ochsen". Wohl dozierten der berühmte Hugo, der Vorläufer Saviguys, und Eichhorn, aber die römischen Kasuisten überzogen ihm „den Geist mit einem grauen Spinnweb", und sein Herz fühlte sich beengt „zwischen den eisernen Paragraphen römischer Rechtssysteme". Wir begegnen schon hier seiner Abneigung gegen das römische Recht, der er in der Folge einen immer entschiedeneren Ausdruck lieh. Es liegt hierin, ein unleugbarer Beweis für

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