Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1900)
- Date
- 1900-04-01
- Page
- Seite 87 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber auch in anderen Orten des vorarlbergischen Oberlandes fanden die Jalso eingewanderten Juden Obdach und Unterkunft. Merkte, der sowie die Rede Sauf die Juden kommt, die härtesten und wie wir in der Folge sehen werden, »ungerechtesten Urtheile über ihr Gebühren fällt, und von der furchtbaren Macht 1 des blinden Vorurtheils sich leiten läßt, schreibt hierüber folgendes: „Durch ihre »schmiegsame Zudringlichkeit brachten sie es dahin, daß in der Herrschaft Feldkirch »da und dort sich Juden niederließen, aber eben mit ihrem Erscheinen die Klagen »der Landstände hervorriefen. Gemäß einem Befehle der Erzherzogin Claudia vom 18. März 1640 mußte der Hebräer Wolf den Ort Rankweil verlassen und in der »ganzen Herrschaft sollte kein Jude mehr geduldet iverden- Die Erneuerung dieses I Befehls erfolgte von dem Erzherzog Ferdinand Karl unterm 22. August 1646, I allein eine Klette ist leichter aus den Haaren, als der Jude aus seinem Sitze zu '» bringen, denn erst im Jahre 1663 fiel ihre Wanderung nach Hohenems etwas zahl- » reichen aus, nur zwei Familien, von denen Mayer Mauß und Joseph Levi die a Häupter waren, erwirkten sich am 18. März 1663 von dem Erzherzoge Sigmund » Franz eine Duldung von zwei Jahren in dem Orte Sulz, bis sie ihre Gelder eim fl gezogen und die liegenden Güter versilbert hätten, während dessen sollen sie jährlich fl 18 fl. Schutzgeld auf die Familie zahlen. Sie konnten mit ihren Geschäften nie ■ fertig werden, bewarben sich ein um das andere mal um Verlängerung. Sulz blieb fl durch die obigen zwei Familien ein Haltungspunkt, an den sich später eine zahl« fl reiche Judenschaft anklammerte; es wurde 'nämlich der Graf von Hohenems im I Jahre 1676 seiner Hebräer auf einmal überdrüßig und jagte sie am hl. Pfingst« -1 tage alle fort." fl Gerade aus den Merkle'schen Anführungen, die wir wortgetreu wieder I geben, können wir Kapital für unsere Behauptung schlagen, daß nämlich in fl Vorarlberg und speziell in der Herrschaft Feldkirch schon früher Judenanßedfl lungen bestanden haben. Merkte sagt, wie wir gehört haben, daß die in der Herr« I schuft Feldkirch sich ansiedelnden Juden mit ihrem Erscheinen die Klagen der Landfl stände hervorriefen. Was konnte den Landständen Ursache gegeben haben» der Einfl Wanderung der Juden schon von Anbeginn an entgegenzutreten, wenn dieselben und fl ihre Praktiken dem Lande aus eigener Anschauung und Erfahrung bisher ganz fl unbekannt geblieben waren? Sicherlich waren die aus Schwaben verscheuchten Juden, fl denen von den vorarlbergischen Landständen große Schmiegsamkeit und List zur fl Last gelegt werden, nicht so bodenlos unklug, gleich bei ihrem Auftreten in Vorarlfl berg bezw. in der Herrschaft Feldkirch alle die ihrer Race angedichteten Übeln fl Eigenschaften herauszukehren oder gar den religiösen Gefühlen ihrer neuen Landsfl (eilte nahezutreten. Letzterer Fehltritt hätte ihnen sicherlich sogleich den Garaus fl gegeben und daß sie bei ihrer Einwanderung nach Vorarlberg sich nicht sogleich | einzig auf Handel und Geldgeschäfte warfen, zeigen gewißermaßen schon auch die Bedingungen ihrer Aufnahme in Hohenems, aus. welchen doch hervorgeht, daß sie