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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-04-01 · Heft 4 (1.4.1900) · p. Seite 84

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 4 (1.4.1900)
Date
1900-04-01
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
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tv^i’; (T Neuerungen jeder Art, empfehlen sie sich auch noch so sehr durch den Nutzen, der sich davon erwarten läßt, sind höchst bedenklich, wenn dadurch verjährte Gewohnheiten abgeschafft, Gewissen beunruhigt, Sektengeist genährt und die Harmonie unter den Bekennern nnsers Glaubens gestört wird. Unsre Gebete schließen alle mit den Worten: Gott segne sein Volk Israel mit Frieden und in der That ist uns nichts so sehr Bedürfnis als dieser. Neuerungen sind nur in einem einzige» Falle löblich und heilsam; wenn das Alte so verwerflich ist, daß es nicht ohne Gefahr beibehalten werden kann. Unsere alten Institutionen sind glücklicher Weise nicht von der Art. Sie reinigen, das Gute, das sie enthalten, hervorheben, das Unschickliche mit schonender Hand beseitigen, das Mangelnde ergänzen, dies sei unser Streben. Dazu bedürfen wir weder der Umgestaltung unsere Gebethäuser, noch der Umarbeitung der Gebete, noch rabbinischer Synodalbeschlüsse. Dazu ist nichts von Nöten als Erweckung unseres eigenen religiösen Gefühls, und der Vorsatz es durch äußere Gottesverehrung zu nähren, durch welche allein die innere in lebhafter Regsamkeit erhalten werden kann. So verbraucht die Behauptung ist, daß Gedanken durch Worte beflügelt werden müssen, so wahr ist sie, und das gilt nicht nur von Gedanken, sondern eben so wohl von Gefühlen und überhaupt von Allem, was in unsrer Seele vorgeht. Wie oft hören wir nicht Thränen, als das unfehlbarste Mittel Kummer von unsrer Seele wegzuwälzen anrühmen! Ein der menschlichen Würde viel angemesseneres Mittel ist ein herzliches Gebet Weinen bleibt immer eine Schwäche, wiewohl oft eine sehr wünschenswerte; Beten hingegen ist eine schöne Blüte der edelste» Geisteskräfte. Weinen wirkt nur auf das Gemüt vermittelst der körperlichen Organe; Beten aber ist ein wirksames, stärkendes Arzeneimittel für kranke Seelen. Ob unser Gebet auch erhört werde ist eine der müßigsten Fragen. Schon dadurch allein, daß wir mit Ernst beten ist der Zweck erreicht. Wir sind dann glücklicher, weil wir besser find, und besser, weil der Lasterhafte nicht beten kann. O möchten wir doch dieser Fertigkeit — nein Fertigkeit will ich es nicht nennen — möchten wir doch diese schöne, allen unverdorbenen Menschen gemeinschaftliche Gabe nie verlieren! es könnte uns einst schmerzlich werden. Wir bleiben nicht immer gesund, munter und guter Dinge, der Leidenskelch kreiset unter allen Sterblichen und wehe dem, den er heimsucht, wenn die Seele schon verlernt hat, sich ihrem himmlischen Vater in die Arme zn werfen! Einem solchen Elende wollen wir in den Zeiten, da noch nichts unseren Frohsinn trübt, Vorbeugen und es uns nicht zur Gewohnheit, sondern zum Gesetze machen, keinen Tag vorübergehn zu lassen, ohne uns mit unserm Schöpfer zu unterhalten. Beim Erwachen wollen wir Gott für die erneuerte Kraft unseres Körpers danken und 'ihn um seinen Beistand zum bevorstehenden Tagewerk anflehen; beim Niederlegen unsre Seele seiner Hand empfehlen, das während des Tages ausgeübte vor den Richterstnhl des Gewissens ziehen und gute Vorsätze für die Zukunft fassen. Bei glücklichen Ereignissen wollen wir danken, bei Trauerfällen die Gerechtigkeit der göttlichen Vorsehung anerkennen, und in allen wichtigen Momenten des Lebens unser

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