Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1900)
- Date
- 1900-04-01
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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•*' :>r — 83 — als eine Profanatio» untersagen, mit den Worten, man dürfe an der von d« Weisen geprägten Münze keine Veränderung machen. Ist es auffallend, daß dies Männer vor einer Verdeutschung der Gebete zurückfchandern und allen ihren Scharj sinn aufbieten, um zu beweisen, daß unter dem Ja des Talmuds nein gemein sei? Unglückliches Israel! wie lange werden noch die Worte des Propheten Jesäia auf uns anwendbar sein: Die, welche dich zurechtweisen sollten führen dich irr und verrammeln deine gebahnten Wege. Ihr Männer, die Ihr an der Spitz der von Euch geschaffenen geistlichen Hierarchie steht in Israel, habet doch endlik Erbarmen mit dem unglücklichen Volke, das sich so harnilos Eurer Leitung unter wirft und zeiget ihm den rechten Weg, der doch zu leicht -zu finden wäre, wenn ih nicht Unwissenheit und Aberwitz umnebelt hätten! Eilet schnell herbei zur Rettun der heiligen Religion, die gefährdet ist, weil man sie nicht versteht, saget doch endlit dem Volke die Wahrheit ohne Furcht und ohne Rücksicht, saget ihn wie es sich seinem Gotte nähern müsse, spreche zu ihm nach dem Sinne dt heiligen Bücher, deren Auslegung Euer Beruf ist und nicht nach den Resultate mystischer Forschungen, mit denen der schlichte Sinn des gemeinen Mannes nicht zn schaffen, saget dem Volke, was ihm Gott vor Jahrtausenden schon durch Mose gesagt hat: Was verlangt von dir dein Gott Israel! Nichts anders, als daß S ihn ehrfürchtest und von ganzem Herzen anbetest; saget ihm, was Euch der Talm« lehrt: Der Barmherzige verlangt nur ein reines Herz. Füchtet nichts, wenn Ihr Cm einmal entschließet eine offene Sprache zu führen. Die vernünftigen, wahrhaft fromme Männer in Israel werden Euch dafür mit ihrem Danke und mit ihrer Achtm belohnen und die andern sind ja ohnedies gewohnt Eure Worte wie Gottes A» spräche zu glauben und zu beherzigen. Sollten sie es grade dann nicht thun, wer Eure Worte ganz mit den Aussprüchen der Vernunft übereinstimmen? Überirn wird ja nicht von Euch verlangt, daß Ihr Neues schaffen sollet, sondern so manch Alte, das durch die Schuld Eurer Vorgänger untergegangen, sollet Ihr wieder st Leben rufen. O wie leicht wird es Euch dann sein, wieder das Ansehen zu erlang« in dem Ihr ehemals gestanden, wenn Ihr einmal anfangen werdet Euer Zeitalt zu verstehn! Klaget es nicht so strenge an dieses Zeitalter! es ist die Periode hl Erwachens für Eure Glaubensbrüder, des Erwachens zu einem regsamen, geistig! Leben, von dem unsere Vorfahren nichts ahnten, der kräftige Saft wissenschaftlich Kultur dringt nun auch in den Stamm unserer Religion, nachdem er so la» Zeit verdorrt dastand; eine solche Periode kann zwar viel Böses, aber auch vj Gutes bringen, alles hängt von der Art ab, wie sie gehandhabt wird; die berufe»! Handhaber aber seid Ihr; hütet Euch also, daß Ihr nicht durch ungerechtes Mißtrau oder durch Halsstarrigkeit eine schwere Verantwortlichkeit auf Euch ladet. Was ist ak uns anzuraten, uns, die wir keiner anderen Schule, als der der Vernunft und ik Gottesfurcht zuschwören wollen, wie sollen wir uns verhalten, so lange der heuti Zustand unseres Ritualwesens fortdauert? Unsere Bahn ist leicht zu zeichm