Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-04-01 · Heft 4 (1.4.1900) · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 4 (1.4.1900)
Date
1900-04-01
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969879-2969884--5965-2975287
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 Staat in Kanaan. Viele andere in dieser Majorität hingegen tränmen den alten Traum von ihrer Aufgabe inmitten der Völker ihrer Wohnsitze noch weiter und bemühen sich den Zionisten das Heft dadurch aus den Händen zu ziehn, daß sie in ihrer Weise die jüdische Gemeinschaft und das jüdische Bewußtsein zu stärken bestrebt sind. Was aber den Zionismus selbst betrifft, so sind dessen Erwägungen und Wünsche, Hoffnungen und Ziele ganz ähnlich wie bei seinen Gegnern, auch wenn diese noch so viel von einem religiösen Berns sprechen, tut letzten Grunde nur weltlicher Natur. Wie die zionistischen Führer religiös durchaus gleichgiltige Menschen sind, so haben dieselben auch ausdrücklich erklärt, daß die religiöse Frage für die Anhänger des Zionismus nicht die maßgebende und entscheidende sei, sondern hier jeder von ihnen unbedingte Freiheit genieße das Gemeinsame und Bindende hingegen das politische Programm bilde. Erklärte früher das talmudische Judentum, daß die Religion für die Juden das Ein und Alles sei, und versuchte auch noch die Reform es sich und den Ihrigen wenigstens einzureden, daß eine religiöse Aufgabe ihr Wesen ansmache, so haben die Zionisten dagegen erklärt, daß die Frage nach der Religion ihr Programm nur zerstören würde, und an dessen Stelle vielmehr ein politischer Zweck zu treten habe. Der Zionismus hat für das Religionsvolk; der Erde etwas rein Weltliches als das Höchste und Wichtigste aufgestellt, und damit trägt er von vornherein das Gericht in sich selbst. Gott läßt seinen Rat weder durch andere Völker noch durch sein Volk Israel zn Schanden machen. Gewiß muß auch der Zionismus der Erfüllung der göttlichen H'eilsgedanken für Israel dienen, aber er thut es nicht in der Art, wie es sich die Zionisten erdacht haben, sondern zn dem gerade entgegengesetzten Ergebnis hin. Sie meinen auf ihren Wegen ihr Volk einer herrlichen Zukunft entgegen;»' führen und werden es doch nur in tiefstes Elend Hineintreiben; das machen uns! sowohl der Blick auf die geschichtlichen Verhältnisse als auch das Zeugnis des göttlichen Worts zur Gewißheit. Wede, gehalten im Andachtssaate zu IlranKfurt a. M. von Ar. Michael' Hreizenach, Religionslehrer am Philanthropin geb. am 16. Mai 1789 in Mainz, gestorben am 5. August 1642 in Frankfurt a. M. Alle Kräfte, die Gott unserer Seele verliehen, sowie alle Geschicklichkeiten, mit denen er unseren Körper ausgerüstet, haben nur gute Wirkungen, wenn sie weise benutzt werden. Anlagen zum Bösen hat uns Gott nicht gegeben und im strengsten Sinne des Wortes genommen, haben wir auch keine solche, es liegt in uns kein einziger Trieb, der in seiner unverdorbenen Natur uns zum Bösen ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.