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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-04-01 · Heft 4 (1.4.1900) · p. Seite 75

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 4 (1.4.1900)
Date
1900-04-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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weit auseinander. Fast nur Negatives .vermag man jetzt als allgemein Zugestandeues hinsichtlich des jüdischen Glaubens ansznsagen; fast nur dies, daß der Jude zu keiner anderen Religion übertreten und insbesondere sich nicht taufen lassen dürfe. Das einzig wirklich Positive ist bei dieser Zerfahrenheit eigentlich nur der Glaube an den jüdischen Stamm, d. h. aber, das eigentliche Grund-Dogma ist kein religiöses. sondern eine Überzeugung, welche selbst ein Prvselyt wie Beaconsfield (Disraeli) mit dem klassische» Wort aussprach: „Rasse ist alles; es giebt keine andere Wahrheit." Aber dabei redet man sich ein, daß gerade jetzt das Jndcntnm seine eigentliche Höhe erreicht habe und sich anschicke, der Führer der Menschheit im Gebiete der Religion und alles Fortschrittes zu werden. Man erklärt, daß die zerstreuten Juden den Berns und die Mission erhalten hätten die wahre Religion in der Welt zu verbreiten nnd der Menschheit in der Jndenschaft das eigentliche religiöse wie überhaupt ein jedes Ideal vor die Augen zu stellen. Aber freilich ruft man deshalb aus dem zionistischen Lager her den eignen Stammesgenvssen zu: „Eine Missionstheorie, welche vorgiebt, daß die Zerstreuung nnd Knechtung des jüdischen Volkes ein von Gott gewolltes Mittel sei, um seine Religion unter den Völkern zu verbreiten, spricht der geschichtlichen Wahrheit geradezu Hohn." Dies das Bild des innere» Zustandes der Judenheit am Schluß des Jahrhunderts. Ebenso sehr hat sich das des äußeren verändert. Am Anfänge hielten, von Nord-Amerika, Frankreich und Holland abgesehn, die Völker selbst die Juden durchaus von sich fern nnd behandelten sie als Fremde in ihrer Mitte. Im Laufe des Jahrhunderts dagegen hat ein Kulturvolk nach dem andern dem ungestüme» Dränge» der Inden nach Verleihung der allgemeinen Bürgerrechte entsprochen, nnd nur wenige, wie Rußland, haben ihnen dieselben nicht gewährt. Damals lastete auf den Inden die äußere Verachtung fast aller Nationen; heute aber werde» sie, obwohl noch jn derselben Zerstreuung lebend, in allen fünf Weltteilen als ein so gewaltiger Faktor des gesaniten Lebens empfunden, wie das in solcher Allgemeinheit auch nicht von dem mächtigsten Volke der Gegenwart ansgesagt werden kann. Kein Wunder, daß sich überall das jüdische Selbsthewußtsein mächtig gehoben hat und viele im Lager der Juden der Zukunft aufs hoffnungsvollste entgegensehen./ Dennoch warnen recht ernste Erscheinungen sie, sich keiner Täuschung hinzngebe» und das Erreichte nicht als sicheren Besitz anzusehen. Die Thatsache bleibt doch bestehen, daß der religiöse Zerfall im Judentum einen erschreckenden Umfang a»ge> nominell hat nnd der Unglaube zumal von dem Heranwachsenden Geschlecht ganz Besitz zn nehmen droht- Dazu greift die Mischehe weithin unter den Juden in einem Maße nm sich, daß selbst recht vertrauensselige Beurteiler ihrer Verhältnisse die schlimmste Erschütterung des Stammes davon befürchten. Alle Versuche, diese Entwicklung aufznhalten, sind gescheitert. Bald modernisierte mau, nm Abhilfe zu schaffen, de» Gottesdienst; bald versuchte man, wenn esdamit nicht gelang, alte Formen wieder aufleben zu lassen. Hier rief man, um den jüdischen Geist zn

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