Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 69 — in jeder Synagoge 200, in jedem Betlokale 100 Plätze gratis zur Verfügung zu stellen, zu interessanten Debatten. Der Referent, Herr Leonhard Sachs, stellt sich durchaus auf den Boden des Antragstellers. Der Antragsteller, Herr. Professor Dr. Levin, bezeichnet es zunächst nicht nur als eine soziale Pflicht der Gemeinde,, auch denjenigen, denen die Bezahlung schwer fällt, einen unentgeltlichen Gottesdienst einzurichten, sondern vor Allem als eine ethische und religiöse Forderung von ganz eminenter Bedeutung. Der Obolus, den man für den Besuch des Gottes- ,. dienstes zu entrichten habe, sei eine Abnormität, die auf der ganzen Welt nicht wiedergefunden werde, das Entreebillet eine Farce, wie man sie sich krasser und greller nicht denken könne. An den Thoren unserer Synagoge, prangt die Inschrift: ' „Öffnet die Thore weit, auf daß das große Volk einziehe!", und hinter der Thüre stehen die Controleure, die nur gegen Ausweis der Bezahlung den Eintritt gestatten. Sein Antrag habe nur das Mindeste gefordert, um die Sache wieder in Anregung zu bringen; thatsächlich müsse man viel weiter gehen und wenigstens die Hälfte aller Plätze freigeben. Die Gründe gegen seinen Antrag seien mehr als fadenscheinig. Man fürchte das Gedränge! Mögen doch jene, die sich früh zum Gotteshaus begeben, die Plätze einnehmen; vor Gott giebt es kein gutes und schlechtes Publikum. Wir alle kommen mit demselben Bedürfniß, unseren Gott zu suchen, ■ und es ist die elementarste Forderung gebildeter Menschen, diesem Bedürfniß uneingeschränkt genügen zu dürfen. — Der langjährige und beliebte Oberbeamte - des bekannten Hauses Hermann Pollaks Söhne in Wien, Herr SchaffraneK, hat ' dein Deutschen Volkstheater ein Werk zur Aufführung überreicht, welches bereits im Laufe dieser Saison auf dieser Bühne zur Aufführung gelangen wird. DaS jüngste Werk dieses Autors, das den Namen „Johannestrieb" führt, wird ob seiner schriftstellerisch bedeutenden Leistung beim Wiener Publikum Beifall finden. Derselbe Autor hat auch dem Raimundtheater ein Stück zur Aufführung überreicht. — Der Fürst Dittrichstein in UiKolsburg, Flügeladjutant des Kaisers, hat in seiner Bibliothek auch hebräische Werke. Uni nun deren Inhalt besser kennen zu lernen, ließ er den Rabbiner Herrn Dr. David Feuchtwang kürzlich einladen, bei ihm zu erscheinen, - um ihm Aufschluß über die erwähnten Bücher zu geben. Derselbe sprach auch alsbald bei ihm vor und es entwickelte sich eine lebhafte Discussion, in deren Verlauf der Fürst zeigte, daß auch er, merkwürdig genug, in der jüdischen Litteratur bewandert ist, wobei auch derselbe ein staunenerweckendes Interesse an den heiligen Schriften an den Tag legte. — Die „ Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" in Wien veranstaltete anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages Salomon Sulzrrs am 20 Januar eine Gedenkfeier, welche die Erinnerung an den großen Reformator des Synagogengesanges in einer seiner Schöpfungen würdigen Weise wachrief. Die Gedenkfeier begann mit dem großen Sulzer'schen Requim (Psalm 49), welches die vereinigten Chöre des Stadt- und Leopoldstädter Tempels