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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-03-01 · Heft 3 (1.3.1900) · p. Seite 67

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 3 (1.3.1900)
Date
1900-03-01
Page
Seite 67 (sequence 19)
Language
German
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-■ - ■ »*"■ >»• •<> '5--' - " ‘ -; ' " . ‘ — 67 — Schutztruppe in Kiautschau — I. I. Liebermann — hat die kleine jüdische Gemeinde in China besucht, welche nach ihren eigenen Angaben vor zweitausend Jahren in der Hauptstadt der Provinz Honan, am Iellow gegründet wurde. Sie führen dort den Namen: Tian-Kon-Tchians. Auf der Pfoste eines chinesischen Hauses fand er auch eine hebräische Inschrift. Der geistliche Führer der Gemeinde erklärte dem deutschen Offizier, daß die chinesischen Juden über Persien, Khorassan und Samarkand nach China gekommen seien „drei Jahre nach der Zerstörung des Tempels in Salem". — Eine merkwürdige, wenig bekannte Sage knüpft sich an die Geschichte einer Kant-Medaille. Die Medaille, welche schon an sich ein nicht geringes Interesse dadurch bietet, daß sie auf dem Revers den schiefen Turm von Pisa abgebildet zeigt, an dessen Fuß eine Sphinx ruht und die Inschrift: Persorutatis fundamentis stabilitur veritas trägt — eine Abbildung der Medaille findet sich in der Biographie Kant's von Rosenkranz und Schubert — sollte, so wurde in Königsberg am Ende des vorigen Jahrhunderts erzählt, von den Juden auf den großen Philosophen geprägt worden und „ein Geschenk für die Erklärung besonders schwieriger Stellen aus dem Talmud gewesen sein, worüber ihnen Kant Aufschluß gegeben habe. Kant über „besonders schwierige Stellen des Talmud" Vorlesungen halten zu lassen, war in der That ein so absurder Gedanke, daß es. wunderbar erscheint, wie dieses Gerücht lange Zeit geglaubt wurde. Ja, sogar an der Universität war dasselbe noch im Jahre 1804 verbreitet, wie eine von dem Professor Wald hierüber angeftellte Erkundigung ergiebt. In Wirklichkeit aher verhielt sich die Sache so: Eine Anzahl Studierender, an deren Spitze der bekannte Schüler Kant's Graf Keyserling und ein Mitglied der Königsberger Familie Friedländer standen, wollte dem Philosophen ihre Dankbarkeit auf eine etwas ungewöhnlichere Weise als durch das übliche Ständchen bezeugen und wandte sich deshalb an den bekannten Berliner Arzt und Schüler Kant's Dr. Markus Herz. Dieser zog wiederum Moses Mendelssohn zu Rate, welcher dann den Plan, dem Philosophen eine Medaille überreichen zu lassen, entwarf und auch mit Bezug auf einen ihm kurz vorher zugegangenen Brief Kant's, in dem dieser davon spricht, daß. durch die Untersuchung der Fundamente der Philosophie ihr drohender Einsturz aufgehalten werden könnte, den schiefen Turm von Pisa auf der Medaille als eine feine Anspielung auf das Kant'sche System abbilden zu lassen vorschlug. Da aber die Beiträge der Studierenden zur Herstellung der Medaille nicht ausreichten, so übernahm die Familie Friedländer einen Teil der Vorschüsse zur Bewerkstelligung des Unternehmens. Auf diese Weise entstand das erwähnte Gerücht. Die Medaille wurde dem Philosophen am 4. März 1784 überreicht, und dieser soll über die „Schiefe des Turmes", sowie über die falsche Angabe seines Geburtsjahres auf der Medaille — 1723 statt 1724 — etwas verschnupft gewesen sein. Indessen gab er später zu, daß, wenn auch ein anfrechtstehender Turm dieselben Dienste geleistet hätte, doch gerade in dem „schiefen", aber doch nicht fallenden Turm das _

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