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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-03-01 · Heft 3 (1.3.1900) · p. Seite 64

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 3 (1.3.1900)
Date
1900-03-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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64 getrennt unter den Völkern des großen Reiches lebet, mit den von der Religion des alten Persien abweichenden Religionsbestimmungen, weshalb es die von denselben verschiedenen religiösen Gesetze des Königs nicht halten kann')," ebenso, wie der Rat des judenfeindlichen Staatsmannes, mit dem Vermögen des jüdischen Volkes, die gewiß nicht unbedeutenden Lücken des Staatsschatzes auszufüllen"), den gewiß nicht beabsichtigten umgekehrten Beweis von der damaligen Stellung der Juden. — Offenbar waren im persischen Volke die rühmenswerten Überlieferungen des Königs Cyrus, Darius I. und Artaxerxes l. nicht vergessen, und hatten die Juden über alle Teile des Reiches in allerdings gesonderter religiöser Gemeinschaft sich ausgebreitet, was ihnen die freie Ausbildung der jüdischen Religion gewährleistet und Wohlfart und Wohlstand bei ihnen vereinigt. An» besten aber wird die Anklage gegen das Volk Mordchai's") durch Mordchai selbst entwurzelt. Dieser Getreue des Königs rettete den Herrn auf dem Throne von zwei Giftmischern, welche in ihrer thracischen Landessprache, in der griechischen Sprache über ihren mörderischen Plan sich berieten^). Der sprachenkundige Mordchai") verstand die Unterredung und berichtete hierüber der Königin Esther"). Diese rühmenswerte That wurde nun in den Analen des des Königs und Reichs verewigt^). Hat Esther durch den Bericht über die Rettungsthat Mordchai's") an den König schon erlösend gewirkt, so geschah dies noch mehr durch jene hinreißende Rede, in welcher die Sprache Mordchai's harmonisch ausklingt"):' „Gerne gehe ich unter, wenn mein Volk nur lebt'")." Diese Worte, welche der Heldenseele einer für die Religion und ihr Volk begeisterten Königin erflossen, hatte sonach in dem Geiste und in der Gesinnung Mordchai's ihren Quellpunkt. Aus solchem Geiste heraus reden aber, sagen die Talmudweisen"), bringt Erlösung der Welt. Mordchai aber trug die Krone eines edlen Namens'") und war seiner Abstammung wohl würdig. Sein Vater erleuchtete die Welt, wenn er gebetet hatte. Sein Großvater ward von Gott erhört, wenn er gebetet hatte. Sein Urgroßvater pochte nie vergebens an die Pforten himmlischer Barmherzigkeit'"). Mordchai gehörte zu den Gerechten, deren Vermehrung der Welt zur Freude gereicht"), >var voll der Wissenschaft, Erkenntnis und Herzensfreudigkeit'"). Wenn in Spanien auf die Zeit des Glanzes und der geistigen Blüte, die der Austreibung der Juden am Ende des fünfzehnten Jahrhunders erfolgt, so war im altpersischen Reiche durch die rettende That des Hofjuden Mordchai eine umgekehrte Wandlung vom Verfall zur Blüte, vom Untergange zur Höhe der staatlichen Stellung bei den Juden eingetreten. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien finden die Bekenner des einzigen Gottes in der geschichtlichen Heimat des jüdischen Volkes, im heiligen Lande ihr geliebtes Heim. Ungleich segenbringender war die vorbildliche That des Hofjuden Mordchai, ') Esther 3. 8. *, Esther 3. 9 u. 4, 7. -) Esther 3. 6. *) Mgilah 13 b. °) Mgilah 13 b. ') Esther 2, 22. ’j Esther 6, 1 u. 2. •) Esther 2, 22. ", Esther 4. 14. 10) Esther 4, 16. “) Mgilah 15 a. Mgilah 12 b. -') Mgilah 12 b. “) Mgilah 11 b. ") Mgilah 10 b.

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