Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 63 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 63 — den Blick vom Abgrunde materieller Gesinnung hinweg zu einer höheren erlösenden sittlichen Weltanschauung erhobt- Hier tritt so recht jene siegreiche ideale Macht in den Vordergrund der Betrachtung, welche den Einblick in den Inhalt des Buches Esther, den , Ausblick auf die Epoche des Helden der Erzählung, des Hofjudey Mordchai verstattet. In diesem Sinne erklärt sich der Ausspruch des Talmudweisen: Gott hat Moses vorgezeigt, wie das Buch Esther gelesen werden solle*). Die Begebenheit, welche das Buch Esther vorführt, spielt meiner Meinung nach, am Hofe des durch Brudermord auf den Thron gelangten Ochus Darius H. Nothus (424 —405). Dieser von despotischen Launen bewegte Herrscher AchaschweroS (Ochus-Darpuwesch) enthronte seine Gemahlin Parisatis (Wascht!) und ließ seinen Satrapen Haman übermächtig werden^) in einem Reiche, welches imierlich unterwühlt,.' äußerlich aber damals von größter Ausdehnung gewesen ift4). Aus Waschti folgte nun die Myrthenkönigin Esthers welche für ihre Person wünschen, für ihr Volk bitten mochte^), keusch wie ihre Ahnfrau Rahel?) war und ihrem Onkel Mordchai die Säule und Seele des Hauses war^), Der Hofjude Mordchai^) aber glich einer Myrthe an Duft und Reinheit"), war groß unter den Juden, beliebt bei der Mehrheit seiner Brüder, stiftete Wohlfahrt für sein Volk und den Frieden für kommende Geschlechter"). Freilich bekagen die im edelsten Sinne des Wortes pharisäisch d. h. geistesaristokrätisch gesinnten Weisen des Talmud"), daß Mordchai auf Kosten der Krone der Wissenschaft die KtoNe der Herrschaft getragen hatte. Aber das Heil und die Rettung des jüdischen Volkes erheischten dieses Opfer. Bei allem edlen Selbstbewußtsein, welches Mordchai dem Antisemiten des Altertums, Haman gegenüber behauptet hatte, war er doch voll rührender Bescheidenheit. Gerade war Mordchai im tiefsten Gesetzesstudium vor einem wissenschaftlichen Kreise begriffen, als Haman im Aufträge seines Gebieters ihm den Purpur überreichen wollte. Wegen des Besuches Hamans war Mordchai sosehr erschreckt, daß er in heiligste Andacht sich versenkte, der auf diese Wandlung des Geschickes völlig unvorbereitet war"). Seiner Herkunft nach gehörte er zum Stamme Benjamin, dem des ersten Königs"). Er war einer der ersten Exulanten unter Serubabel's Führung") und hat, wie Nehemias, welcher der Mundschenk des Königs Artaxerxes I. war, am Hofe des Königs Darius II. Nothus (Achaschwerus) sicherlich vom Anfänge au eine Stellung eingenommen, welche wohl an Umfang und Bedeutung über die eines gewöhnlichen Hofjuden oder Schutzjuden weit hinausgeragt war. Es wäre doch sonst der Haß Haman's, des Allgewaltigen gegen Mordchai und später gegen das Volk desselben") völlig unmotivirt gewesen. Auch liefert die ganz unberechtigte Klage Haman's gegen das jüdische Volk, welches „zerstreut und *) Rasch haschanah 29 a. Mgilah 19 b, 3) Mgilah 15 a. *) Esther 1,1. ■) Esther 2, 7. 0) Esther 7, 3. ») Mgilah 13 b. ') Mgilah 13 a. -) Esther 6, 10. «*■> Esther 10, 3. 11 > Chulin 139 b. “) Mgilah 16 b. >», Mgilah 16 “) Esther 2, 5, Mgilah 13 b. (Raschi i. v. ..sachah ). li) Esra 2,2, Nehemias 7, 7 (Mgilah 16 b). “) Mgilah 13 b.