Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2969879-2969883--5948-2975269- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
daS HauSthor znrückgezoa, kam Laktef Wilna daher, schritt über die Schlinge hinweg und war gefangen und Esther mit ihm, denn er erhaschte sie im HauSthor, schlang die kräftige Arme um die schlanke, bebende Gestalt und küßte sie auf die roten Lippen. Sie, machte sich los und floh die Treppe hinan. Am nächsten Morgen beklagte Frau Zuckerspitz ihre Kazabaika und Veigelstock ihren Kaftan und der Trödler seine Stiefel, und Laktef Wilna erschien und klärte Alles auf — „Ich habe genommen ihre Kazabaika und habe sie gegeben einem armen Mädchen," sprach er zur der schönen Kokette, „und sie glaubt, daß der Prophet Elias sie hat beschenkt, aber Sie sollen die Kazabaika wieder haben." „Nein! nein!" rief die Schöne, „sie war so nicht mehr ganz neu. Sie haben gethan ein gutes Werk für mich und mein Mann soll mir kaufen eine neue." Und genau so erging es ihm bei den Anderen, denn einen Armen beschenken, ist für den gläubigen Juden stets nur eine Freude. An demselben Vormittag erschien aber der alte Wilna bei Tobia Fischthran und hielt bei ihm, für seinen Sohn, um Esther an. Gin Kofjude im attperstschen Weiche. (Zum Purimfeste.) Bekanntlich hat im 11. Jahrhundert in Spanien der Verfasser des „Mebo Hatalmud" (Einleitung in den Talmud), der Begründer der talmudischen Methodolgie, Samuel Hanagid (1027—1055) mit der Würde des geistlichen Oberhauptes der israelitischen Gemeinde das Amt eines Ministers des Königs Habus von Granada verbunden. Ähnlich verhielt es sich im altpersischen Reiche im 5. Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. Dort befand sich ein schriftgelehrter Jude Mordchai, dessen Schilderung das Buch Esther beschäftigt, welches in den Gemeinden Israels am Purimfeste verlesen wird. Dieses geschichtliche Werk ist, wie dies aus den häufigen chaldäischen Sprachformen sich ergiebt, von den Männern der großen Synagoge veranlagt worden*). Die Grundidee des Buches ist die Erhebung des jüdischen Volkes von Schmerz zur Freude, von Trauer zu festlichem Frohsinns, zu Licht, Heiterkeit, Wonne, Glanz und Herrlichkeit^). Die Bedingung dieser Erhebung lag im jüdischen Volke, welches war voll vom Lichte der göttlichen Sittenthat erzeugende» Wissenschaft, voll Begeisterung für die geschichtlichen Momente des Lebens der religiösen Gesamtheit, treu dem Glauben und Glaubensbündnisse und voll Bereitschaft für die Verherrlichung des göttlichen Namens'*). Die sittlichen, geistigen Mächte aber, welche zur Zeit des Ahasverus erlösend gewirkt hatten, waren schon zur Zeit des Krieges mit Amalek durch das Volk Israel vorbereitet und vorbildlich geworden. Das israelitische Volk war siegreich gewesen, weil es V B»bn bnthm 15 a. -- Esther ü. A3. --Esther 8. 16. Mgilah 16 6.