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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-03-01 · Heft 3 (1.3.1900) · p. Seite 57

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 3 (1.3.1900)
Date
1900-03-01
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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bereits in dein erwähnten ersten litterarischen Produkt Börnes, das auf ihre Veranlassung entstand, ist eine ausgezeichnete Schriftstellerbegabung unverkennbar. Wahrlich welch' unermeßlichen Einfluß hatte doch Henriette Herz auf ihn ausgeübt! — Kaman und Gstyer. Von Sacher Masoch. Es war zur Zeit des „Schuschan-Purim" (der zweite jüdische Karneval, der nur noch von den polnischen Juden gefeiert wird), die ganze Stadt Kolomea war in heiterer Aufregung und ein Jeder nach Kräften bemüht, die Nacht in hellen Tag zu wandeln. Alle Fenster waren erleuchtet, hie und da die Häuser mit farbigen Lämpchen und Ballons geschmückt, an den Fenstern saßen schöne jüdische Frauen. und Mädchen, in üppige Pelzjacken geschmiegt und lachten und aßen Backwerk, und die Straßen durchzogen fröhliche Menschen in langen Kaftanen und die Maskerade war im vollen Zug. Hier kam ein Trupp jüdischer Jünglinge, die als kleinrussische Bauern gekleidet waren und vor jedem befreundeten Hause Halt machten und kleinrussische Volkslieder sangen, wobei sie sich mit Baßgeigen und Flöten begleiteten. Andere kamen als Bären und schreckten die Mädchen, die in den Thüren standen. Wieder Andere führten das Ahasverusspiel auf. Da war Esther, die in Seide, Sammet und Hermelin gekleidet, eine Krone von Goldpapier auf dem Kopfe, von vier Sklaven getragen wurde, König Ahasverus mit seinem roten Mantel, „Monderisch" (Mordochai) mit seinem großen Turban und endlich Haman, der mit einem schäbigen Kaftorhut auf dem Kopfe, in weiße zusammengenähte Leintücher gekleidet, auf Stelzen einherging, wie ein Riese die Menge überragte und seine große Nase mit den drei gigantischen Karfunkelwarzen bald hier, bald dort an einem Fenster des ersten Stockes der kleinen, niederen Häuser erscheinen ließ, so daß die Schönen erschreckt zurückfuhren und das Necken und Lachen kein Ende nahm. Haman war natürlich Laktef Wilna. Wer hätte auch in Kolomea gewagt, den Haman darzustellen, als Laktef Wilna, der hübscheste, kräftigste, keckste und lustigste jüdische Bursche der ganzen Kreisstadt, der es wahrlich an Juden in keiner Weise fehlte. Wo der echt türkische Lärm der großen Trommel, der Blechdeckel und einer heiseren Trompete das Herannahen der Personen, des Ahasverusspieles ankündigte, wnrdenj trotz der grimmigen Kälte die Fenster ganz oder doch ein wenig geöffnet und die rosige Mädchengesichter und dunkle Frauenaugen blickten in die Straßen, und schnell war Laktef Wilna auf seinen Stelzen zur Stelle und spielte den Neugierigen irgend einen Possen. Der Madaiüe Pflanmenbaum, die nur einen Augenblick das Guckfenster

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