Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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56 -«T-t«'— IW- Im Anfang schien dies freilich ein Ding der Unmöglichkeit. Börne war leidenschaftlich unglücklich, verzweifelte an jedweder Lebensfreude und dachte allen Ernstes an Selbstmord. Trotzdem gelang es der tiefblickenden Güte Henriettens, den unglücklichen Jüngling ganz allmählig wieder aufzurichten, und gewann sie in der Folge, allerdings in . ganz anderer Weise, als Börne es erhofft hatte, einen bedeutenden und entscheidenden Einfluß auf sein ganzes äußeres und inneres Leben. Durch Verständnis für Wirken und Wesensart der Männer, die in ihrem Hause verkehrten, — zu diesen gehörten die bedeutendsten Geister, wie Wilhelm von Humbold, Schleiermacher, Mirabeau und andere — hatte sie es ja stets verstanden, diese Männer, die sie verehrten, anzuziehen und Einfluß auf sie auszuüben, ohne ihnen irgend welche Freiheiten zu gestatten. Dies brachte sie schließlich auch bei Börne fertig, indem sie sich viele Mühe gab, ihn geistig zu heben und zu läutern und ihn, wie Klaar sich ausdrückt auf den Weg einer ernsten, männlichen Resignation zu lenken. Als ihr Mann im Frühling 1803 starb, gestattete sie ihm noch eine Zeitlang im Hause zu bleiben, wies jedoch jeden Leidenschaftsausbruch mit der bestimniten Erklärung, „seine Liebe zu nichts brauchen zu können", zurück. Dagegen bewies sie ihm in jeder Hinsicht Freundschaft und Teilnahme und regte ihn, — dies ist ein Zug von entzückender Feinheit, — dazu an „ihr in Tagebuchblättern und Briefen die Geschichte seiner Leiden und seiner Selbstüberwinduug mitzuteilen und dadurch sein Herz zu erleichtern." Börne folgte dieser mütterlichen Weisung, und diese Aufzeichnungen und Zuschriften, die vom November 1802 bis zum September 1807 reichen und die unter dem Titel „Briefe des jungen Börne an Henriette Herz" im Jahre 1861 erschienen sind, bilden eine Wertheriade mit glücklichem Ausgang, die uns einen tiefen Einblick in die Herzens- und Geistesgeschichte des jugendlichen Börne gewährt. — Wir erfahren da, in welch' schweren subjektiven Kämpfen um Persönliches Glück sich Börne zu entsagungsvoller Hingebung an große, männliche Aufgaben und an die Fragen des Staates und der Gesellschaft emporgearbeitet hat, wir verfolgen den allmählichen Sieg der humoristischen Überlegenheit über das Chaos persönlichen Schmerzes und das Werden des originellen Schriftstellers, der im rastlosen Drange seiner gütigen Freundin wert zu werden, das Kleinliche und Herkömmliche abstreift, seine Natur höher stimmt und für bedeutende Gedanken einen selbständigen Ausdruck gewinnt. Die Aufzeichnungen bieten zuerst die Berliner Herzensgeschichte, dann Briefe aus den Universitätsstädten Halle und Heidelberg, in denen Börne nach mancherlei Schwankungen seine Studien weiterführte." (Klaar, S. 15 und 16.) Also den Künstler und Schriftsteller hatte Henriette Herz in ihm geweckt durch ihre Aufforderung zu klärender, vertiefender und erhebender Selbstbeichte! Und