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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-03-01 · Heft 3 (1.3.1900) · p. Seite 54

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 3 (1.3.1900)
Date
1900-03-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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— 54 — rechtignng, wie wohl es sich nicht ableugnen läßt, daß zur Verbesserung und Milderung der Lage so vieler Hilfsbedürftiger Palästina nur äußerst wenig beitragen kann. Da aber die zionistische Propaganda einem ganz anderen Ziel zusteuere, nämlich ein Nationaljudentum und womöglich auf religionsloser Basis zu gründen, so muß vor dieser Bewegung wie vor jeder anderen messianischen Schwärmerei gewarnt werden. Ludwig HSörne. Zur Jahrhundertswende, ii. Finster und gedrückt war Börnes bisheriges Leben im Frankfurter Getto gewesen, hell und licht wurde für ihn die nunmehr folgende Zeit seines Aufenthaltes in Gießen. In Professor Hetzels Hause war er so recht an der Quelle der Bildung und Erkenntnis, nach der sich sein wissensdurstiger Geist hingesehnt hatte. Mit Feuereifer stürzte er sich auf die Arbeit und lernte zu gleicher Zeit Lateinisch, Französisch, Italienisch, Geschichte, Geographie, Kalligraphie, Rechnen, deutsche Sprache und Arabisch. So wurde er mehr und mehr aus einem Talmudünger ein Mensch von umfassender, moderner Bildung, — und mehr und mehr verband sich mit der jüdischen Tiefe seines Gefühls- und Geisteslebens, die er sich stets in Reinheit erhielt, Weite des Blicks und Kenntnis des realen Lebens. — Hierzu trug auch viel bei: der heißersehnte, nunmehr endlich ihm zugänglich gewordene Verkehr mit heiteren Menschen, mit Menschen, die — anders wie die Juden im Getto — von Jugend auf in Freiheit geatmet hatten und daher freudig und kräftig an Geist und Gemüt gewordenwaren. — Und ein Hailch von der Lebensfreude dieser Menschen ging auch auf Börne über und gestaltete seine Lehrjahre in Gießen zu überaus gedeihlichen und ersprießlichen. Diese Lehrjahre in der Gießener Erziehungsanstalt nahmen im November 1802 ihr Ende. Zn diesem Zeitpunkt galt der nunmehr sechzehnjährige Börne als genügend vorgebildet, die Universität zu beziehen und sich einem Fachstudium zu widmen. Das Studium, das der Vater für ihn bestimmt hatte, war Medizin, — die Universität, die er für ihn ausgewählt hatte. Berlin. — Diese letztere Wahl war eine gute, noch besser aber war die Wahl des Mannes, den er mit der weiteren Erziehung und Heranbildung seines Sohnes beauftragt hatte. Es war dies der berühmte Arzt und Philosoph Dr. Markus Herz, ein Mann, der geradezu typisch ist für eine ganze Spezies gebildeter Juden. Er war

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