Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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53 V-« ■ -- - 7 Zeichnung behandelt. Von Rom begab er sich nach Portugal und auch da war ihm das Glück nicht ungünstig. Hier machte er die Bekanntschaft eines jungen Mannes Namens Diego Pires. Diesen gewann er sofort für sich und seine Pläne. Diego Pires ließ sich heimlich beschneiden und imnnte sich seitdem Salomon Molcho. Molcho begab sich nach der Türkei und später nach Rom. überall gab er sich als Abgesandter Rubenis aus, von dem er große Thaten erzählte. In Rom soll er eine Überschwemmung vorausgesagt haben, die wirklich eintraf, und sich dadurch eine große Anhängerschaft erworben haben. Selbst der Papst überhäufte ihn mit allen Ehren und gab ihm einen Sicherheitsbrief. Aber ungeachtet dessen wurde er später der Beschimpfung des Christentums angeklagt und zum Fenertode verurteilt. Dem Tode entkam er nur dadurch, daß auf Befehl des Papstes ein anderer Sünder heimlich untergeschoben wurde Molcho aber mußte sich noch in derselben Nacht von Rom heimlich entfernen. Diese Gefahr, in der er geschwebt hatte, hielt in aber nicht ab, noch einen kühnen Zug zu unternehmen, der ihm aber vollständig mißglückte. In Gemeinschaft mit Rubeni beschloß er zum Kaiser Karl V. nach Regensburg, wo der Reichstag damals versammelt war, sich zu begeben. Er wollte mit dem Kaiser und mit den deutschen Fürsten über seine Pläne verhandeln. Diese letzte Kühnheit kostete ihm aber das Leben. Seine Anträge mißfielen dem Kaiser und er wurde der Inquisition ausgeliefert, die Salomon Molcho seines Übertrittes zum Judentum wegen zum Scheiterhaufen verurteilte. Er starb den Märtyrertod 1532. Ein ungeheurer Taumel entstand im gesamten Judentum infolge des Auftretens Sabbatai Zewi's. Wie in Symirna und Hamburg, so wor in der ganzen Welt der Name Sabbatai Zewi ein Gegenstand der Verehrung und Huldigung. (1565.) Die Schwärmerei wurde soweit auf die Spitze getrieben, daß man alle Fasttage in Feste verwandelte. Selbst die Gefangennahme des Messias, ja sein Übertritt zum Islam konnte diesem Treiben kein Ziel setzen. Viele Jahre hindurch dauerte noch dieser sabbatianische Spuk ungehindert fort und er nahm erst mit Beginn des 19ten Jahrhunderts sein Ende. Alle diese geschichtlichen Thatsachen belehren uns, welche traurige Erscheinungen die Messias-Schwärmereien zur Folge hatten. Wohl ist es unsere unerschütterliche Überzeugung, daß die Worte unserer Propheten sich früher oder später verwirklichen werden und daß der Gesalbte des Ewigen komme» wird, und kommen muß; die Zeit seines Erscheinens aber müssen wir geduldig dem Ermessen des Allgütigen überlassen; wir dürfen ihm nicht vorgreifen und mit menschlichen Händen das Erlösungswerk beschleunigen. Und aus diesem Grunde ist auch die moderne Schwärmerei unter dem Namen Zionismus zu verwerfen. Würden die Verfechter desselben nur von der Bestrebung beseelt sein, den armen und vertriebenen Jude» eine hilfreiche Hand zu bieten und für deren Unterkunft zu. sorgen, dann hätte der Zionismus eine Be-