Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1900)
- Date
- 1900-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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: ' '7"^' ' - — 42 — reich ansässig. Als rührige Leute wußte sie Karl der Große, der überall die Hebung des Verkehrs in den Vordergrund stellte, zu schätzen und erlaubte ihnen, überall im Reiche herumzuziehen, freilich gegen besondere Abgaben. Wie sehr sie auch noch zur Zeit der sächsischen Kaiser im Handelsleben überwogen, zeigen ihre Erwähnungen in den Quellen, in denen z. B. einmal der Begriff Kaufleute (moreutores) durch de» Zusatz näher erläutert wird: „Das heißt Juden und die übrigen Kaufleute." Oft, wie in Magdeburg, galt Jude und Kaufmann als ein und derselbe Begriff. Wie Karl der Große, nahm sie auch Ludwig der Fromme in seinen Schutz, ebenso waren ihnen nianche Stadtherren sehr geneigt um der Vorteile willen, die ihnen die Betriebsamkeit der Inden brachte." Nach und nach wurden die jüdischen Kaufleute den christlichen Konkurrenten unbequem. Steinhaufen erzählt: „Den Juden traten die deutschen Kauflente allmählich durch ihre Zahl gegenüber, aber immerhin blieben jene auch in dieser Zeit noch ein sehr einflußreiches, oft auch sehr gehegtes Moment. Die Art, wie der Bischof Rüdiger von Speier, der ihnen 1084 einen Freibrief erteilte, von ihnen spricht, ist sehr charakteristisch: „Als ich Speier zu einer Stadt erhob, da meinte ich seine Ehre tausendfach zu vermehren, wenn ich auch die Juden mit hinzunahm." Überall hatten sie besondere, aber nur für bestimmte Jahre verliehene Privilegien, deren Erneuerung den Stadtherren jedesmal viel Geld brachte. Als Bürger waren sie von den Lasten befreit, dafür aber an den Rechten, der Gemeinde nicht beteiligt. Sie waren persönlich frei und konnte» selbst Grund und Boden besitzen. Erst der Beginn der Kreuzzüge entfachte am Rhein und an der Donau die Judenverfolgungen. Das eigentlich treibende Motiv war aber doch nicht das religiöse, sondern die Eifersucht des sich um diese Zeit coiolidirenden. einheimischen Handelsstandes, die in den Städten den Haß gegen die Inden, die man nun nicht mehr braucht, schürte." — In seinem Buche über „Moderne Geographie" schildert Krafley die Wege des Welthandels und giebt bei Beschreibung des nennten Jahrhunderts folgenden Passus: „Jbn Khordadbeh zeigt uns i» seinem berühmten Buche den Lauf des Handels vom Osten zum Westen in den Händen der jüdischen und russischen Kaufleute. Die Juden waren nach ihm die hauptsächlichsten Vermittler zwischen Europa und Asien. Sie sprachen griechisch und lateinisch, persisch und arabisch, fränkisch, spanisch und slavisch. Auf der einen großen Route schiffte» sie von Frankreich und Italien nach der Landenge von Suez, von da durch das Rote Meer nach Indien und dem hinteren Asien- Auf einer zweiten Route brachten sie die Maaren von dem Westen nach der syrischen Küste, den Orontes aufwärts nach Atiochien, den Euphrat hinab nach Bassora und so schließlich den persischen Golf hinab nach Oman und dem Indischen Ozean. Zwei andere Wege für den Überlandhandel gehen von Westen nach Osten. Während auf der einen Seite die Kaufleute ihre Maaren von Spanien aus am Nordrande der Wüste entlang nach Ägypten, Syrien und Persien führte», ging ein anderer Karawanenweg durch Deutschland in die slavifchen Gebiete an der unteren Wolga, diesem Fluß entlang über das