Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1900)
- Date
- 1900-02-01
- Page
- Seite 39 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969879-2969882--5924-2975244- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-- "" - -. — ' ., .v.^.v;v. — 39 — II. Ein provisorisches Comitee zur Gründung eines Vereins für jüdische Geschichte und Literatur in Bonn versendet an die Mitglieder der Gemeinde folgendes Rundschreiben: Nur kurze Zeit trennt uns noch von dem Schluß des Jahrhunderts. Unwillkürlich blicken wir zurück auf all das, was das scheidende Jahrhundert uns an Errungenschaften des Geistes, an brauchbaren Bausteinen zu dem großen Riesenbau der Weltkultur gebracht hat. Das Judentum kann mit Befriedigung zurückschauen auf das scheidende Säculum. Wir reden nicht von den äußeren. Verhältnissen; da ist noch vieles öde und trostlos, und der neuen Zeit werden gewaltige Aufgaben harren. Wir meinen die innere, geistige Entwicklung. Aus der zwar liebevoll-intensiven, aber einseitig systemlosen Beschäftigung mtt dem Schrifttum ist eine systematisch-kritische „Wissenschaft des Judentums" geworden. Männer wie Zunz, Rappaport, Luzatto, Grätz, Geiger, Philippson, Kaufmann, um aus der glänzenden Reihe von Namen nur einige herauszugreifen, haben das gewaltige Werk begonnen und durchgeführt. Die Wissenschaft des Judentums hat sich ihren wohlverdienten Platz erkämpft. Daraus aber erwächst uns eine Ehrenpflicht. Wir haben das geistige Erbe jener Männer hochzuhalten. Aber nicht nur dies. Auch um unser selbst willen müßeu >vir uns mit den historischen und litterarischen Leistungen unserer Vorfuhren vertraut machen und vertraut erhalten. Ohne Wissen kein Gewissen Nur aus der Kenntniß der glorreichen Vergangenheit kann die treue Anhänglichkeit in der Gegenwart und die hoffnungsfrohe Arbeit für die Zukunft erblühen. Auch in unserer altehrwürdigen Gemeinde soll, wie schon in über 120 Gemeinden Deutschlands, ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur entstehen. Der Verein hat den Zweck, die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Literatur zu fördern. Dem Verein als solchen liegen alle religiösen und politische» Tendenzen fern. Durch Vorträge und Diskussionsabende, die in kurzen Zwischenräumen aufeinanderfolgen sollen, durch Anlage einer Bibliothek und durch Verteilung geeigneter Publikationen soll das Interesse geweckt und erhalten werden. Die Männer der Bibel und des Talmuds, jenes glänzenden, viel geschmähten und wenig gelesenen Werkes jüdischen Geistes, Heldengestalten wie Juda Makkabi und Bar Kochba, Lehrer wie Jochanan ben Sakkai, wie Hillel und Akiba, Denker wie Saadja, Maimonides, Spinoza und Mendelsohn, Dichter wie Jehuda Halevi und Salomo Gabirol, wie Smolenski und Gordon und viele, viele andere, müssen auch den Juden des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts lieb und vertraut sein. Man hat den historischen Sinn unseres Jahrhunderts gerühmt, man hat in Israel allzeit die Pietät hochgehalten, vereinen wir beides zu pietätvoller Vertiefung in die Geschichte , des Judentums.