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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-02-01 · Heft 2 (1.2.1900) · p. Seite 36

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 2 (1.2.1900)
Date
1900-02-01
Page
Seite 36 (sequence 13)
Language
German
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36 auf Anregung dessen Lehrers, des jüdischen Philosophen Aristobulns, der dem Könige versicherte, daß schon Pythagoras und Plato die alttestamentlichen Schriften gekannt beziehungsweise benutzt hätten. Die Hellenen, die bisher nur dem Wohlklang der griechischen Tragödien ihr Ohr geöffnet, hörten hier zum ersten Male die Donnerworte der Propheten und wurden der Schönheit des heiligen Buches zugänglich. In dieser geistigen Strömung erhielt Philo, der um 20 v. Chr. geboren war, seine Ausbildung. Seiner Liebe zu den Wissenschaften war sein Lerneifer gleich, so daß er Ehre, Ämter und Reichtum verschmähte, um nur jenen dienen zu können und lebte nur in der Welt der Ideen. Seine Frau suchte ihm in der Hoheit seines sittlichen Charakters und seiner Einfachheit nachzueifern, so daß sie einmal auf die Frage einiger Freundinnen, warum sie, eine so reiche Frau, keinen goldenen Schmuck trage, zur Antwort gab: Die Tugend des Ehemannes sei der schönste Schmuck für eine Frau. Er sagte von sich, die Wissenschaften hätten ihn wie schöne Sklavinnen angezogen, er aber habe die Philosophie, die Königin erwählt. Am höchsten stand ihm jedoch das Judentum, das er die höchste Weisheit nannte. Aus diesem beschaulichen Leben wurde er durch das Vertrauen seiner Mitbürger herausgerissen, die ihn zum Sprecher einer an Cajus Caligula entsendete» Deputation, nach Rom ernannten, um demselben die Klagen seiner Glaubensgenossen gegen den dortigen Statthalter Flaccus und die Willkürlichkeiten des Pöbels vorzutragen. Die Gegenpartei hatte den Erzjudenfeind, den Grammatiker Apion, entsandt und hier war es, wo zum ersten Mal der hohe, sittliche Gehalt des Judentums mit dem gesunkenen Griechentum in die Schranken trat, deren Geistes-Jnhalt nicht besser als durch diese beiden Männer hätte vertreten werden können- Er herrschte die jüd. Deputation mit harten Worten an, sie feien also die Gottverächter, die lieber einen namenlosen Gott anbeteten, als ihn. Schließlich sagte er zu seiner Umgebung, diese Menschen scheinen ihm nicht so schlimm als dumm zu sein, da sie seine Göttlichkeit nicht anerkennen wollten. Der Ausgang dieses Streites ist unbekannt geblieben. Philo war ein treuer Sohn seines Volkes, aber auch ein Bewunderer der griechischen Philosophie und bekannte, daß bei Beiden sich eine und dieselbe Wahrheit vorfinde, nur sei dieselbe in der Offenbarungs-Urkunde vollkommener. In der Hauptsache strebte er eine^Verknüpfung der griechischen Philosophie niit der jüdischen Theologie an. Die Gottes-Idee ist für ihn so erhaben, daß wir Gott nicht einmal mit einem Namen bezeichnen können, wir könnten nur sagen, daß er ist, nicht was er ist. Die Gottheit könne mit der Welt, der Materie, auch nicht in die geistigste Beziehung treten, da dadurch die Würde der göttlichen Klarheit getrübt werde. Wenn also Moses dennoch das Gesetz von Gott empfangen, so mußte dieser seinen Geist bis zur höchsten Staffel sittlicher Vollkommenheit hinauf geschraubt haben, die ihn von den Banden der Sinnlichkeit frei zu machen suchte und mit dem Geistesauge das Wesen Gottes durchdrang. Redner ging näher auf die Anschauungen Philo's über die höheren Kräfte (Logos) und über die Weltschöpfung ein, führte dann sehr

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