Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-02-01 · Heft 2 (1.2.1900) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 2 (1.2.1900)
Date
1900-02-01
Page
Seite 35 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969879-2969882--5920-2975240
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-ysy?&? — 85 — das Haus seines Wohlthäters segnete, waren seine letzten Worte: „Laß meine Gebeine ruhen bei den Gebeinen meiner Väter!" — Dem edlen Brabant war diese Bitte heilig, wie das Gebot eines sterbenden Vaters. Er wußte gleich Rat und schrieb an die kleine jüdische Gemeinde, die sich in Brüssel gebildet hatte. Dann schloß er die Überreste des Gastfreundes in eine« Sarg, den die Familie weinend zum Haus und zur Stadt hinaus geleitete. Er selbst fuhr den Toten nach der zehn Meilen entfernten Hauptstadt, wo er ihn den jüdischen Totenwärtern übergab. Beim Begräbniß aber folgte der christliche Capitän als Leidtragender dem Sarge des armen Alten und segnete dessen Grab mit einigen stillen heißen Thränen.- Liebenswürdiger Samariter! Mögen Deine spätesten Enkel noch in glücklicher Heimat grünen und nie ein Grab in öder Fremde suchen. Deinen Namen aber müsse ein unauslöschlicher Adel zieren und von Jedem, der dir an sanfter Tugend gleicht, möge man künftig sagen: Es ist ein Brabant! — Mikos Leven, Wirken und Einfluß. Über dieses Thema hielt Herr Salomon Kaufmann einen Vortrag im; Verein für jüdische Geschichte und Litteratnr in Köln, aus dem wir hier einiges folgen lassen: Alexandrien war um 330 v. Ehr. von Alexander dem Großen ge- . gründet worden. Die Stadt ivurde der Kreuzungspunkt hellenischer und asiatischer Kultur. Nach Alexander's Tode kam Ägypten in die Hand des Ptolemäus, Sohn des Lagos, der Palästina eroberte und viele Juden zwang, ihr Vaterland mit ’ Ägypten zu vertauschen. Die Juden nahmen bald die geistigen Errungenschaften ihrer neuen Herren in sich auf und es bewies sich, welche Lebenskraft die jüdische Religion inne hatte, da sie bei de» Verfolgungen der römischen Kaiser sich dennoch nicht bewegen ließen, ihren Standbildern göttliche Ehren zu erweisen. Ptolemäns berief die Gelehrten Griechenlaud's nach Alexandrien, gab ihnen freie Bewirtung und wies ihnen die neu errichtete Bibliothek und das Museum an. wo man die großen Geisteswerke mit ägyptischer Sorgfalt verwahrte. Auch den Juden waren die Ptolemäer günstig, dem Priester Onias gestattete man zu Heliopolis den Bau eines prächtigen Tempels. Je größer der Einfluß der griechischen Bildung bei den alexandrinischen Juden, um jo inehr schwand die Kenntnis des Hebräischen, so daß sie die heiligen Schriften nicht mehr zu lesen verstanden. Die unter dem Ptolemäer Philometor um 150 v. Ehr. entstandene Bibel-Übersetzung „Septuaginta" geschah

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.