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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-02-01 · Heft 2 (1.2.1900) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 2 (1.2.1900)
Date
1900-02-01
Page
Seite 32 (sequence 9)
Language
German
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—— --—t-—- — 32 — lehrt und aus einer Welt der Endlichkeit und Gebundenheit ins Reich der Freiheit, der Wahrheit und der Ewigkeit, ins Reich des Ideals, ins Reich Gottes emporwinkt, emporzieht! Kammergerichtsrat Krnst Wichert in seinem HSuche „Michter und Dichter" über den Antisemitismus „So entsteht mitten unter dem Frieden ein gesellschaftlicher Kriegszustand, dessen Ende nicht abzusehen ist und unter dem Jeder leidet." Das scheint mir die Signatur dieses letzten Viertels des Jahrhunderts zu sei». Es ist dabei noch nicht einmal an die widerwärtigste Verirrung der Neuzeit im Antisemitisnius gedacht. Von allem, was ich erlebt habe, ist mir dieser Rückgang des humanen Geistes der Nation zur engherzigsten Unduldsamkeit das Traurigste. Die Emancipation der Juden zu Anfang und bis zur Mitte dieses Jahrhunderts bedeutet einen Knlturfortschritt. Nach dem Gesetz wurden die Staatsbürger mosaischer Konfession gleichberechtigt den' Staatsbürgern anderer Konfessionen. In Kleider- und Haartracht, in der Sprache, in gesellschaftlichen Sitten und Gewohnheiten waren da, wo das frühere Schutzverhältniß bis in das vorherige Jahrhundert zurückging, die Unterschiede meist völlig verwischt. Die Kinder der Juden besuchten mit denen der Christen dieselben Schulen und Universitäten, wurden zu denselben Examen zugelassen, durch dieselben akademischen Ehren ausgezeichnet, als Ärzte und Advokaten vom Publikum ohne jede Rücksichtnahme auf die Konfession beansprucht. In den Gerichts- und Regierungskollegien saßen Juden neben Christen. Ich selbst habe eine große Zahl jüdischer Referendare praktisch auszubilden Gelegenheit gehabt und kann ihnen das Zeugniß geben, daß sie sich nicht nur durch leichte Auffassung, gute Kenntnisse und unermüdlichen Fleiß, sondern auch durch Bescheidenheit im Verkehr mit den Vorgesetzten auszeichneten. Juden dienten im Heer, auch als Einjährig-Freiwillige, wurden im Kriege zu Offizieren befördert und mit dem eisernen Kreuze geschmückt. Juden hatten mit christlichen Häusern Umgang und umgekehrt, ohne daß man daraus irgend etwas Besonderes machte. Es ließ sich annehmen, daß die Lebensgewohnheiten beider Teile, wenn man die Dinge sich ruhig entwickeln ließ, sehr bald auch in tiefere Volksschichten hinab ausgeglichen erscheinen würden Da brach plötzlich eine Judenhetze los, wie sie ähnlich nur die dunkelsten Zeiten des Mittelalters gesehen hatten. Die Verschiedenheit der Rasse wurde vorgekehrt, den Juden das Recht abgestritten, sich als Deutsche fühlen zu dürfen. Man gab ihnen Wucher, Neigung zum Betrug schuld, behauptete, daß sie sich vor

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