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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-02-01 · Heft 2 (1.2.1900) · p. Seite 27

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 2 (1.2.1900)
Date
1900-02-01
Page
Seite 27 (sequence 4)
Language
German
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27 elementare Gewalten auf, als wollten sie Boden und Dach der Welt mitsamt der Luft reinfegen. Sie schütteln und rütteln so heftig an den Säulen der Erde, daß sie bis in die Tiefe erdröhnt. Sie begnügen sich durchaus nicht mit den morschen und hohlen Baumstämmen und abgestandenem Gestrüppe — o nein — sie reißen schonungslos alte Waldungen, gewaltige Eichen, festgewurzelte Zedern mit sich fort. Thnt nichts, und wenn ganze Hügel mit fort rutschen! Der Himmel bricht nicht zusammen, die Sonne zerbröckelt nicht. Gottes Werkstatt arbeitet fort! Der Geist freier Forschung, der in Italien unter jüdischem Einfluß zuerst erwacht und in Holland, England und Frankreich und zuletzt in Deutschland immer kühner und weiter die Flügel regte, er kam als Befreier dahergezogen, um im Sturmlauf die Welt in Besitz zu nehmen. Dieser moderne Geist sollte den zu- Boden gedrückten Erdensohn mit Stolz erfüllen, ihn zuin himmelstürmenden Prometheus, zum himmeltragenden Atlas erheben, Was Wunder, wenn der also seiner Vollkraft und Reife sich bewußt gewordene Mensch seinen Verstand zum höchsten und einzigen Richter über alles erhoben sehen, wenn der von so großartigem Erfolg berauschte Erdbeherrscher keinen über sich anerkennen will, der sich nicht vor seiner alles mit dem Auge und Schmelztiegel abmesfenden und abwägenden Vernunft als ein Höherer als er legitimieren will! Ja, legitimieren, erst soll sich Gott als Weltenschöpfer, als Schickfalslenker und als Sittenrichter legitimieren, oder der moderne Atheismus versagt ihm die huldigende Anerkennung. Es ist thöricht, wenn man den Atheismus heute beschönigen will, indem man sagt: „Die Atheisten leugnen ja Gott nicht, nur lassen sie die Frage seines Daseins unentschieden, unberührt". Ein Gott, den man bezweifelt, hat aufgehört Gott zu sein. Es geht solchen Zweiflern wie dem Haran in der Legende, der nicht recht wußte, ob er seinem Bruder Abraham folgen sollte, der an einen lebendigen Gott glaubte, oder seinem Vater Therah, der Götzen anbetete, und wie es galt, für den Glauben durch die sengenden Feuersgluten zu gehen, da ging Abraham unversehrt daraus hervor und er, Haran, der lange Unentschlossene, verbrannte. Es. giebt da nichts zu zweifeln: —■• Entweder der Zufall hat die leuchtenden Welten alle längs des Himmels hingerollts oder ein allweiser Geist. — Entweder das Ungefähr hat uns auf diese Insel hergeworfen, oder eine alles zum guten lenkende Vorsehung. Entweder tierische Selbstsucht hat uns gelehrt, sittlich gut und edel zu sein, oder eine unser Inneres bewegende Himmelsmacht der Liebe. Ein Drittes giebt es nicht. Steine und Sterne haben keine Weisheit, die Natur keine Barmherzigkeit, der Pavian kein Gerechtigkeitssinn. Statt also erst auf. Beweise zu warten, daß es keinen Gott giebt, — und ein solcher ist noch von keinem vernünftigen Mengen gebracht worden! — verlangt man, daß sich Gott, der Unsichtbare, der Urgrund alles Seins, der Urzweck alles Werdens, das Urbild alles sittlichen Handelns, vor den Herren Atheisten erst legitimiere, als ob der, den alle Welten preisen, erst der Anerkennung kurzsichtiger Menschen bedürfte! .

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