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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-02-01 · Heft 2 (1.2.1900) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 2 (1.2.1900)
Date
1900-02-01
Page
Seite 26 (sequence 3)
Language
German
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26 wollten diese Männer eine Zahl unerfahrener Heimatlose nach jenen eisigen Gefilden wo nur gefräßige Eisbären die gräßliche Öde beleben, hinlocken, um dort zu hausen wie sie es so erfolgreich unternommen! Der Atheismus ist ein Eismeer, gut genug, um einzelne kühne Forsche, anzulocken für dankenswerte Entdeckungen auf unbetretenen, gefahrumtosten Pfaden der Menge kann nur Tod und Erstarrung aus solcher frostigen Zone erwachsen Hier also beginnt das Sündige und Frevelhafte. Nicht der Atheist, der die Wahrheü sucht — wir alle suchen die Himmelstochter, daß sie uns zum Vater des Geisteemporführe! — nein — der Atheist, der die Wahrheit zu besitzen vorgiebt und als Lehre unter die Massen verbreitet — der thut Unrecht, der sündigt so arg als der ärgste Heuchler, gegen den heiligen Geist Gottes in der Menschheit. Wie unser Erdenleben von zwei entgegengesetzten Lnftströmungen, dem von der Polarregion herwehenden kalten und dem von der Golfregion oder tropischen Zone heraufziehenden warmen Luftstoß beherrscht und in Bewegung gehalten wird, so wird die Menschheit stets abwechselnd von der aus der kalten Polhöhe kommenden Verstandesrichtung und von der aus dem Wärme-Zentrum stammenden Gemütsrichtung hin und her bewegt. Jede einseitige Richtung führt in die Irre. Wie Feuer und Wasser, wie Genuß und Erwerb, ohne Maß und dann ohne Zügel und Schranken Verderben anrichten, statt Heil zu stiften, so wird auch der Verstand, wenn er meint, allein die Welt rudern und lenken zu könne», zu einem Phantom, der sie durch seinen Fürwitz dem Untergang nahe bringt. Gerade die kühle Verstandesrichtung, der, an allen Glaubensartikeln rüttelnde Rationalismus der Maimonischen Schule hat dem finsteren Aberglauben der Kabbalah im Judentum vorgearbeitet. Und umgekehrt, gerade aus der tiefsten Gläubigkeit, aus dem Überschwall pietistischer Frömmigkeit ist, zuerst in England, dann in Deutschland der moderne, alles zersetzende Rationalismus hervorgegangen. Und wer möchte verkennen, wie notwendig ein Jahrhundert der kalten und schneidenden Berstandesrichtung war, um die alles verzehrenden Gluten des Wahn- und Aberglaubens abzukühlen und zu löschen, die 2000 Jahre geschürt und genährt hatten! Wie nötig war ein langanhaltender Sturm, um all die Wälle und Dämme, die Mauern und Schranken des finstern mitelalterlichen Autoritäten- Wunder- und Gespensterglaubens niederzureißen und all die. morschen Zweige und ivelken Blätter am Baume des Lebens wegznfegen von der Erde. Um die vergilbte und verdeckte Geistesschrift am Firmament wie auf der menschlichen Herzenstafel wieder leserlich zu machen, dazu bedurfte es fast einer neuen Offenbarung Gottes im Donner, Blitz und Sturm. Es bedurfte eines mächtigen Orkanes, der die Felsen tausendjährigen Wahnes zertrümmern, und einer reißenden Flut, die die alten Trümmerhaufen wegschmemmen mußte. Und wenn einmal die Frühlingsstürme daherbrausen, um den alten Winter fortzupeitschen und das Leichentuch von der Erde abzuschütteln, da kommen sie garnicht sachte. Sie treten als

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