Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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285 carmina ex improviso) bilde und von hieraus wieder zu neuen Forschungen und zu der Erfindung des gregorianischen Kirchengesanges (Hymnoi cantus planus) geführt habe. Aus diesem cantus planus heraus habe sich die Kirchenmusik und mit resp. neben ihr auch die Synagogenmusik entwickelt. Beide seien auf einen Ursprung zurückznführen und beide hätten sich in den verschiedenen Ländern verschieden gestaltet. Darum sei der Synagogengesang in Deutschland ein anderer als in Rußland und Polen und da wieder anders als in Italien und im Orient. An dem Zeitalter der Mehrstimmigkeit habe auch die Synagogenmusik teilgenommen; was Palestrina auf dem Gebiete der katholischen und Joh. Seb. Bach auf dem der protestantischen Kirchenmusik, das sei Sulzer sür den Synagogengesang. Von modernen Meistern in Deutschland hob Redner u. A. besonders Kirschnhr- München und Rosenhaupt- Nürnberg hervor. Mit einer bis in die Details sich erstreckenden Beleuchtung des Kantorates und der ihm verwandten Begriffe schloß Herr Zivi seine vortrefflichen Ausführungen. — Das erste Gürzenich-Konzert in Köln am 25. Oktober brachte als Novität das Oratorium : „Die Zerstörung Jerusalems" von August Klughardt. Der Komponist benutzt in diesem Werk das Vorbild, das Mendelssohn für das moderne Oratorium geschaffen hat, und weiß diesen Stil konsequent festzuhalten, ohne iu's Opernhafte zu verfallen. Das Hauptgewicht liegt bei ihm nicht auf den Soli, sondern auf den Chören und Enseniblesätzen; unter den letzteren sind namentlich die von drei Frauenstimmen gebildeten Engelterzette von besonderer Schönheit. Klughardt's Melodik ist nicht gerade originell aber oft von schöneni Klang und echter Empfindung. Der Instrumental- und Vokalsatz ist die Arbeit eines gediegenen Musikers. Das Werk fand eine gelungene Wiedergabe: die Soli waren durch die Damen Rüsche, Schemmel, Hövelmann und durch die Herren Ludwig Heß und R. v. Milde augegemessen besetzt. Das Publikum bereitete der Novität eine freundliche Aufnahme und rief den Komponisten wiederholt. — In Köln hielt Herr Dr. Zimchowih einen Vortrags-Cyklus über Rubens und I. von Dyck. — Der Komponist Gustav Lazarus, dessen „Mandanika" im Kölner Stadt-Theater mit großem Beifall ausgenommen wurde, ist in der rheinischen Metropole geboren und hat dort das Konservatorium besucht. — Der berühmte und ausgezeichnete Violin-Virtuose Hronislam Hubermann hat einen schweren Verlust durch den Tod seines Vaters erlitten. — Das Ehepaar Anna und Eugen Hildach veranstaltete in Frankfurt a. M. zwei Liederabende. Frau Hildach entwickelte in den vorgetragenen Liedern von Schumann, Brahms und Sinding einen vornehmen Geschmack, der sie vor vielen Sängerinnen auszeichuet, während Herr Hildach auch durch eigene Compositioneu sich in das Herz der Hörer hineinsang und besonders durch heitere Lieder großen Beifall errang. Duette von Haydn, Naubert Schultz und Hildach schlosse» den erfolgreichen Abend des sangesfreudigen Künstlerpaars, das einen vollständig besetzten Saal durch seine Lieder entzückte. — Se. Majestät der Kaiser hat die Erlaubnis erteilt, daß das in der Gemälde-Gallerie des Kunsthistorischen Museums in Wien befindliche Gemälde „Der Besuch des Rabbi"