Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-12-01 · Heft 12 (1.12.1899) · p. Seite 282

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 12 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 282 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969865-2969878--5873-2975191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

282 Fest gefeiert. Es hat den Todestag des berühmten Geschichtschreibers der Longobarden, Paulus Diaconus, feierlich begangen, ans welche»'Anlasse auch zahlreiche auswärtige Gelehrte, darunter auch viele aus Deutschland, nach diesem Städtchen kanien. Da Cividale viele Altertümer besitzt, so wurden auch diese von den Gelehrten besichtigt. Bei dieser Gelegenheit erfuhr inan, daß sich in Cividale auch höchst alte Grabsteine mit hebräischen Inschriften besinden. Es heißt sogar, diese Grabsteine sollen noch aus der Zeit vor der Zerstörung des zweiten Tempels Herstämmen. Es wäre dies, wenn sich diese Nachricht bestätigen sollte, eine erfreuliche Nachricht für die jüdische Gelehrtenwelt. Es ist zwar erwiesen, daß schon zu Julius Cäsar's Zeiten Juden in einigen Städten Mittelitaliens gewohnt haben; daß dieselben aber auch nach Oberitalien gekommen sind, davon finden wir keine Andeutungen der Geschichte. Heute wohnen in Cividale keine Juden mehr. — In Gdessa soll demnächst eine Ausstellung von Erzeugnissen der jüdischen Colonien in Palästina stattfinden. — Die Urm-UorKer Gesellschaft für Dekehrung von Juden zum Christentum erhebt Protest gegen die Verwendung zweier klassischen Werke im öffentlichen Schulunterrichte. Es handelt sich um „Jvanhoe" und den „Kaufmann von Venedig", deren Inhalt nach der Meinung der Missionäre, geeignet ist, die Jugend mit Vorurteilen gegen die Juden zu erfüllen. — Von den Gesten der Araber führt L. Dauer in der „Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereines" eine große Zahl von charakteristischen Beispielen an. Wenn der Araber erzählt, wenn er droht, flucht oder etwas wünscht, dann leibt und lebt alles an ihm. Ist er zum Beispiel beleidigt oder erzürnt worden und kann aus irgend einem Grunde keine Vergeltung üben, so bringt er die Spitze des Dauniens oder Zeigefingers der Rechten zusammen, während die drei anderen Finger leicht gekrümmt und lose schweben, und schwingt so die Hand drohend gegen den Beleidiger. Will er jemand züchtigen, kann ihn aber im Augenblicke nickt erreichen, so beißt er, gleichsam zur Ableitung seines Zornes, in den Ballen der Hand. Ist jemand gestorben, so schlagen sich die Frauen mit der Hand auf die Wangen. Wenn man sagen will: Schade, daß ich das verloren, vergessen, versäumt re. habe, so gebraucht man den Ausdruck'„läh" und fährt unter leichtem Anbeißen mit dem Zeigefinger seitlich zwischen die Zahnreihen, worauf noch die Verwünschung: Gott mache den Teufel zu schänden! folgen kann. Hat jemand aus Versehen etwas Thörichtes oder ihn Bloßstellendes gesagt, so beißt er sich ein wenig auf den gekrümmten Zeigefinger. Verfeinden sich zwei, so nehmen sie ein Stück Holz und zerbrechen es. Ein Schnalzen der hinter der oberen Zahnreihe augedrückten und losgeschnellten Zunge mit gleichzeitigem Anfwärtsbewegen des Kopfes bedeutet eine Verneinung. Will einer dem andern sagen, er habe kein Geld oder auch keine Tiere, so setzt er den Danmennagel an einen der Oberzähue au und schnellt dann plötzlich die Hand nach vorne. Hat man es mit einem Unzufriedenen zu thuu, so bricht man nicht selten ab, indem man durch eine Handbeweguug auf die Wände deutet, wobei man noch sagen kann: Hier

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.